In der Debatte um schwere Vorwürfe in der Hard-Techno-Szene meldet sich SPFDJ mit einem Statement zu Wort, das bewusst nicht bei Einzelfällen stehen bleibt. Ihr Fokus liegt auf dem „Boys-Club“-Reflex aus Schweigen, Wegschauen und Selbstschutz. Wer als Mann sagt: „Ich bin nicht so“, muss das laut, unbequem und auch im eigenen Umfeld beweisen.
SPFDJ: Das Problem sind nicht nur Täter – sondern das Umfeld
In ihrem Statement lenkt SPFDJ die Aufmerksamkeit von der Frage, wer gerade beschuldigt wird, weg und hin zu der Frage, wie Szenen funktionieren, wenn Macht im Spiel ist. Ihr Ausgangspunkt ist hart: Viele Männer hielten sich für „die Guten“. Gleichzeitig beobachtet sie, dass sich manche stärker an Nebenthemen aufreiben oder an persönlicher Kritik stören als an Berichten über Machtmissbrauch und sexualisierte Übergriffe.
Um dies zu verdeutlichen, zieht SPFDJ eine Parallele zu einem viral gegangenen Clip aus einer Sport-Umkleide, in dem eine abwertende Aussage über Frauen in Gelächter untergeht, ohne dass jemand widerspricht. Genau darin liege das Muster, nicht der eine Satz allein, sondern die Dynamik dahinter. Dieses „Boys-Club“-Prinzip existiere laut SPFDJ auch in der elektronischen Musik. Wer das für unrealistisch hält, solle genauer hinhören, worüber gelacht und wann geschwiegen wird.
„Wenn Frauen sprechen, schützen sich zu viele Männer zuerst selbst“
Besonders kritisch wird SPFDJ beim Umgang mit aktuellen Anschuldigungen: Sie beschreibt einen Moment, in dem sie zunächst Hoffnung hatte, denn ein DJ-Statement klang für sie nach Unterstützung. Doch dann sei es hauptsächlich darum gegangen, klarzustellen, dass die Vorwürfe ihn nicht betreffen. Das habe sie „wie ein Schlag“ getroffen. Ihr Punkt ist nicht, dass sich Menschen grundsätzlich nicht verteidigen dürfen, sondern dass in solchen Momenten, der erste Reflex bei vielen eher Selbstschutz als Empathie sei.
Daraus leitet sie ihre bekannteste Zuspitzung ab: Das Argument „Nicht alle Männer sind so“ greife zu kurz, weil es den Blick vom System weglenke. SPFDJ beschreibt ein Szenario: In einem Raum mit zehn Männern ist vielleicht einer übergriffig. Einige decken ihn, andere lachen, wieder andere bleiben still, um keine Unruhe zu stiften. Und vielleicht sagt einer klar: „Das ist nicht okay.“ Genau dieser eine Mann sei der, bei dem sich Frauen sicher fühlen.
Kein Applaus für Statements, sondern Konsequenz im Alltag
Die Forderung von SPFDJ ist simpel und unangenehm: Wer als Mann sagt, er sei „nicht so“, soll das beweisen, indem er Dinge anspricht, wenn sie passieren. Nicht irgendwann, nicht nur online, nicht nur bei Fremden. Sondern besonders dann, wenn es unbequem ist: bei Freunden, in der Crew, backstage, in Chats, in den Situationen, die man lieber ignoriert, um „keine Szene“ zu machen. Schweigen sei der Mechanismus, der das Ganze am Laufen hält. Und die Ausreden seien inzwischen schlicht „peinlich“, so SPFDJ.
Damit liefert SPFDJ weniger eine Reaktion auf einen einzelnen Fall als eine klare Ansage an die Kultur drumherum: Wer wirklich will, dass Dancefloors sichere Orte bleiben, muss nicht nur posten, sondern handeln.
Alle Updates, Statements und Entwicklungen zu dem Thema sammeln wir fortlaufend in unserem Liveticker:
Fotocredit: Aytekin Yalçın

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




