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So entstehen die Besucherzahlen der Festivals

So entstehen die Besucherzahlen der Festivals

Arian

Arian

Chefredakteur | General Manager

T:00491701909887

M:[email protected]


400.000 Besucher. Nur beim Lesen dieser Zahl bleibt dem ein oder anderen der Atem weg und das zu Recht. Fast eine halbe Million Gäste auf einem Festival scheinen grade zu unmöglich, aber woher kommen dann die Zahlen?

Woher kommen diesen gigantischen Zahlen?

Wer dieses Jahr nach dem berühmten Electric Daisy Carnival Festival in Las Vegas, Nevada, USA ein paar Artikel über das Event gelesen hat, der dürfte auf folgende Zahl gestoßen sein: 430.000. So viele Besucher sollen 2017 auf dem Las Vegas Motor Speedway zu elektronischer Musik gefeiert haben. 400.000 Feierwütige sollen es beim diesjährigen Tomorrowland gewesen sein und immerhin 165.000 beim Ultra Music Festival.

Schwindelerregende Besucherzahlen sind aber nicht nur ausländischen Festivals vorbehalten, 181.500 Menschen lockte in diesem Jahr das Electric Love Festival auf den Salzburgring in Österreich. Das zumindest melden die Veranstalteragenturen der Festivals.

Festival-Besucherzahlen auf Großstadtniveau. Geht das?

Was passiert, wenn Menschen in der Größenordnung einer großen Stadt oder gar eines Stadtstaats für wenige Tage in eine Stadt kommen? Wie lässt sich das überhaupt infrastrukturell auffangen? Wie kann man da ein Verkehrschaos vermeiden, wie bricht die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln nicht zusammen? Wo bringt man so viele Menschen unter? Angesichts der Zahlen wirken die Veranstalter wie eine Kreuzung aus Superhelden und Magiern.

"In erster Linie pures Marketing"

Zu Allererst: Die logistischen Aufgaben für die Veranstalter sind aktuell fürchterlich komplex, das Bewältigen dieser benötigt Erfahrung, Geschicklichkeit und Raffinesse. Das Casinoparadies Las Vegas wäre wohl dazu in der Lage genügend Betten für die fast eine halbe Millionen EDC-Besucher anzubieten und Miami könnte mit ein wenig Geschick auch den 165.000 Ultra-Gäste ein Dach über dem Kopf bereitstellen und diese versorgen.

Für Boom, den Austragungsort des Tomorrowland in Belgien, wäre das aber schlicht unmöglich. Wer also glaubt, dass 400.000 verschiedene Menschen tatsächlich in der belgischen Provinz zu dieser Riesenparty auftauchen, der liegt falsch.

"Die Veranstalter zählen die Besucher pro Tag und addieren diese dann am Ende, um die Gesamtbesucherzahl zu erhalten", sagt ein deutscher Booker auf Nachfrage von DJ Mag Germany. Das sei natürlich nicht verboten, erwecke aber ganz klar den Eindruck, dass das Event unheimlich groß sei. "Das ist in erster Linie pures Marketing, aber natürlich auch verständlich."

Wie viele Gäste sind es denn wirklich?

Die tatsächlichen Besucherzahlen muss der Außenstehende daher erst selbst zusammenrechnen. Auf dem Tomorrowland waren in diesem Jahr am ersten Wochenende am Freitag ca. 60.000 Menschen, am Samstag 65.000 und am Sonntag weitere 60.000 Besucher. Die meisten davon besaßen aber Tickets für alle drei Tage. Wenn man diese Zahlen addiert und dann noch mit 2 (das Tomorrowland fand 2018 an 2 Wochenenden statt) multipliziert, kommt man tatsächlich annäherungsweise auf die ominösen 400.000 Gäste.

400.000 Besucher, das klingt einfach nach Rock'n'Roll, nach Revolution, nach Woodstock. Eine halbe Million Menschen auf einem Festivalgelände unterzubringen wäre aber logistisch eine schier unlösbare Aufgabe, so ein Veranstalter zum DJ Mag Germany. Die Tagesbesucherzahlen zu addieren, sei aber gelebte Praxis. "Das machen eigentlich alle."

Fotocredits: Rudgr, Tomorrowland

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13.12.17 21:01