In der aktuellen Hard-Techno-Debatte taucht immer wieder ein Name als Anlaufstelle auf: METOODJS. Das unabhängige Kollektiv versteht sich als internationales Support- und Vermittlungsnetzwerk für Betroffene sexistischer und sexualisierter Gewalt im Umfeld elektronischer Musik. Wir erklären, wie METOODJS arbeitet und warum es sich bewusst gegen eine „Expose“-Plattform entscheidet.
Warum METOODJS jetzt so präsent ist
Je lauter die Debatte wird, desto größer wird ein Problem: Während Betroffene vor allem Struktur brauchen, richten sich viele Forderungen auf schnelle, sichtbare Konsequenzen. Genau hier setzt METOODJS an. Das Kollektiv positioniert sich nicht als lautester Account, sondern als Schnittstelle: zuhören, sortieren, weiterleiten – vertraulich und professionell. Und genau deshalb wird METOODJS so oft genannt, wenn Artists, Veranstalter oder Crews nach Anlaufstellen verweisen.
Dabei betont METOODJS, dass das Netzwerk bereits vor der aktuellen Welle öffentlicher Skandalisierung aufgebaut wurde. Ursprünglich war die Idee, einen strukturierten Listening- und Referral-Prozess auf nationaler Ebene (Frankreich) zu schaffen. Aufgrund der Menge und internationalen Dimension der eingehenden Berichte habe sich der Fokus jedoch zwangsläufig erweitert – über Grenzen, Szenen und Länder hinweg.
Was METOODJS konkret macht
Nach eigenen Angaben wurde METOODJS seit dem Launch von nahezu 100 Betroffenen aus zahlreichen Ländern kontaktiert. Die Berichte beziehen sich demnach auf unterschiedliche Kontexte rund um elektronische Musik: Clubs, Festivals, Kollektive, Agenturen, Labels, aber auch berufliche oder private Umfelder, die mit der Szene verbunden sind.
Im Kern beschreibt METOODJS seine Arbeit als „Safety Cordon“: ein Schutz- und Verbindungsraum, der Betroffene nicht in die Öffentlichkeit drängt, sondern sie dabei unterstützt, den nächsten Schritt gehen zu können – sei es therapeutisch, juristisch oder beides. Das Netzwerk vermittelt Kontakte zu Psychologen und Fachkräften, die in sexistischer und sexualisierter Gewalt geschult sind. Parallel dazu wird eine internationale Datenbank mit Anwälten, juristischen Experten, Psychologen, Sucht-/Addiction-Spezialisten, Investigativ-Journalisten und spezialisierten Organisationen aufgebaut. Ziel ist eine passende, vertrauliche und ethische Weiterleitung, kein „One-size-fits-all“-Ansatz.
Wichtig: METOODJS gibt auch offen zu, dass die Infrastruktur wachsen muss. Das Kollektiv sucht daher weitere Professionals, um das Netzwerk international tragfähig zu machen.
Warum es keine Boykottlisten geben soll – und warum es kaum Updates gibt
Das Kollektiv möchte nicht zur Plattform für öffentliche Call-outs werden. Es geht nicht darum, Boykottlisten zu veröffentlichen oder öffentliche „Naming“-Mechanismen zu steuern. Alle Entscheidungen, Schritte und möglichen Verbindungen erfolgen ausschließlich mit explizitem Einverständnis der betroffenen Personen. Laufende Fälle sind zudem in einen strikten rechtlichen Rahmen eingebettet.
Das erklärt auch, warum METOODJS aktuell keine detaillierten Updates zu Einzelfällen geben möchte: Öffentlich kommunizieren möchte man nur, wenn die beteiligten Anwälte grünes Licht geben. Gleichzeitig betont das Kollektiv, dass die Arbeit mit spezialisierten Juristen und im Austausch mit Investigativ-Journalisten weiterläuft. Für die Außenwirkung ist das mitunter unbefriedigend, für Betroffene und Verfahren ist es jedoch oft der einzig sinnvolle Weg: weniger Show, mehr Substanz.
Ohne Ego und mit klarer Grenze zur Öffentlichkeit
METOODJS beschreibt sich als unabhängiges Kollektiv, das überwiegend von Frauen aus der Szene und angrenzenden Bereichen getragen wird. Viele aus dem Team beschäftigen sich seit 2020 mit Themen. Der Anspruch ist, keine Einzelagenda oder „Ego-Projekt“ zu verfolgen, sondern geteilte Verantwortung zu übernehmen – mit dem Fokus auf den Betroffenen. Wenn Betroffene es wünschen, kann METOODJS auch Kontakte zwischen ihnen erleichtern, um Isolation zu durchbrechen. Aber auch hier gilt: nichts ohne Zustimmung.
Für Medien setzt METOODJS Grenzen. Um laufende Prozesse und Betroffene zu schützen, wird das Kollektiv vorerst keine Einzelinterviews geben. Die Kommunikation soll vor allem schriftlich und kollektiv erfolgen. Journalisten, die in die Datenbank aufgenommen werden möchten, können ihre Kontaktdaten schicken. Eine Verbindung zu Betroffenen soll aber nur auf ausdrücklichen Wunsch der jeweiligen Person und in einem klar geregelten Rahmen entstehen.
METOODJS nennt ebenfalls Kontaktmöglichkeiten: per E-Mail unter metoodjs@pm.me, über den Instagram-Account @metoodjs sowie über Formulare auf Englisch/Französisch und Spanisch.
In einer Debatte, die oft in Kommentarspalten und Screenshots von Stories eskaliert, steht METOODJS für das Gegenteil: Struktur statt Spektakel. Betroffene sollen nicht allein bleiben und Verfahren sollen nicht an Chaos, Druck oder falscher Öffentlichkeit scheitern.
Fotocredit: METOODJS

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




