Wer aktuell auf Social Media unterwegs ist, dem sollte insbesondere eine Kampagne zum DJ Mag Top 100 DJs Voting nicht entgangen sein: „Let’s make raving great again“ von Maddix. Im Interview haben wir uns mit dem Niederländer zum Hintergrund seiner Voting-Strategie ausgetauscht und viele Insights zur Entwicklung seiner Karriere erfahren.
Maddix’ Revolution: „Manchmal realisiere ich gar nicht, was passiert.“
Hallo Pablo! Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu deinem großen Erfolg, den du in den vergangenen Monaten erzielt hast. Wie es dein Song zusammen mit Hardwell und Timmy Trumpet besagt, sorgst du gerade für eine „Revolution“ oder deine Art von „Revolution“ in der EDM-Szene. Wie würdest du diese Revolution beschreiben? Und wo kann man sie insbesondere erkennen?
Maddix: 2019 hatte ich ein bisschen das Gefühl, genug zu haben vom „gleichen alten“ Big Room. Es hat mir nicht mehr so viel Spaß gemacht, ich habe mich im Studio nicht mehr wirklich inspirieren lassen und ich habe auch angefangen zu überlegen, was mich als Produzent einzigartig macht. Zu dieser Zeit, um ehrlich zu sein, war das nicht viel. Deshalb habe ich ganz neu im Studio angefangen, ohne auf irgendwelche Erwartungen oder Regeln zu achten, an die ich mich halten musste. Ich ließ mich von Techno und Oldschool-Rave-Musik inspirieren. Ich glaube, damit hat diese Revolution für mich begonnen. Die erste Veröffentlichung im neuen Sound war „Ecstasy“ und es war ziemlich lustig, all die Reaktionen online zu sehen. Die Hälfte der Leute liebte es und sagte, es sei endlich etwas Neues. Die andere Hälfte hat den Track komplett gehasst. Ich denke, die Leute empfinden Veränderungen im Allgemeinen als manchmal schwierig, aber für mich war klar, dass dies die Richtung ist, in die ich gehen wollte.
Von diesem Moment an habe ich weiter experimentiert und den neuen Sound optimiert. Einige der Tracks haben starke Erfolge erzielt – einer der bekanntesten und jüngsten in Deutschland ganz besonders: „Heute Nacht“. Er war über zwei Monate lang auf Platz 1 der Techno-Charts bei Beatport und hat derzeit über 30 Millionen Streams allein auf Spotify. Niemand um mich herum hat erwartet, dass ich einen der größten Techno-Tracks des Jahres machen würde, aber das habe ich nun geschafft. Ich denke, dieser Moment hat auch viele Kollegen inspiriert. Als ich damit anfing, war ich im Grunde der Einzige mit diesem Sound. Die Leute sagten mir manchmal: „Ich spiele keine Techno-Musik“, also unterstützten sie den Track nicht. Jetzt habe ich das Gefühl, dass es eine der größten Bewegungen in der Branche ist und jeder es macht. Ich werde von den größten Künstlern um Remixe gebeten, weil sie diesen Techno-Sound wollen und ich selbst bin auf Tournee und spiele auf den größten Bühnen. Es ist verrückt zu sehen, wie sich das alles entwickelt, und ich bin froh, dass ich so viele andere Künstler mit meiner Musik inspirieren konnte beziehungsweise kann.
Kürzlich hast du einen Post auf deinen sozialen Netzwerken hochgeladen, in dem du deinen Followern erzählst, wie hart du gearbeitet hast, um an diesen Punkt deiner Karriere zu gelangen. Was war der entscheidende Moment, in dem dir klar wurde, dass dein Traum von einer DJ-Karriere Wirklichkeit geworden ist?
Maddix: Haha ja! Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich auf dem Recyclinghof gearbeitet habe, um etwas Geld zu verdienen und die ganze freie Zeit damit verbracht habe, Musik zu produzieren. Ich glaube, meine Karriere war eigentlich die ganze Zeit ein stetiger und langsamer „Aufstieg“ (abgesehen von der COVID-Phase), was es manchmal ein bisschen schwer macht, das zu realisieren. Ich glaube, dieses Jahr hat mir das am meisten vor Augen geführt. „Heute Nacht“ ist viral gegangen, alle meine sozialen Netzwerke sind wahnsinnig schnell gewachsen und die Streams steigen immer weiter an.
Dieses Jahr spiele ich auch meine bisher größten Shows und viel in Europa auf großen Festivals. Davor bin ich 2018 und 2019 viel getourt, aber dieses Mal fühlt es sich für mich anders an. Die Leute kommen extra für mich zu den Shows, sie kennen alle Songs, die ich spiele und ich kann wirklich mein eigenes Ding machen. Deshalb habe ich auch diesen Post hochgeladen und geschrieben, dass man manchmal gar nicht realisiert, was passiert. Es kann sehr hektisch sein und man geht von einer Show zur nächsten, ein paar Tage ins Studio und wieder zurück. Ich tippe dieses Interview gerade im Flugzeug, denn das ist ein bisschen „freie Zeit“.
Newcomer-Tipps, neues Label, Collab-Pläne: Warum ein einzigartiger Sound das A und O für Maddix ist
Wenn du mit deinem zehnjährigen Ich sprechen und einen guten Rat geben könntest, was man benötigt, um DJ zu werden – was würdest du sagen?
Maddix: Fang an, jeden Tag Musik zu produzieren und sei einzigartig. Kopiere andere nicht zu sehr und folge einfach deinen eigenen Vibes! Außerdem sollten aufstrebende DJs nicht vergessen, dass es nicht nur um die Musik geht, heutzutage muss man auch ein Geschäftsmann und Marketingexperte sein. Soziale Medien sind essenziell. Versuch, es einfach zu tun, auch wenn du am Anfang Angst hast (ich hatte Angst). Aber auch hier gilt: Kopiere andere nicht zu sehr, sei einfach du selbst und mach dein Ding. Das ist es, was dich mit den Leuten verbindet.
Lass uns einen Blick in die Zukunft werfen: Wie sehen deine musikalischen Pläne aus? Und mit wem würdest du gerne mal eine Collab machen?
Maddix: Mein Ziel ist es, meinen Sound immer weiterzuentwickeln und neue Grenzen zu erforschen. Nicht um Trends zu folgen, sondern um zu versuchen, sie zu kreieren. Ich glaube, dass Musik nicht statisch ist und sie sich ständig verändern wird und außerdem möchte ich die Leute mit meiner Musik überraschen. Ich bin froh, dass ich seit Jahren selbst Musik produziere, so ist es „einfacher“, neue musikalische Richtungen zu erkunden. Schwierig dabei ist, dass viele Leute an Nostalgie „leiden“. Sie sagen, sie wollen etwas Neues, aber dann bekommen sie auch ein super positives Feeling bei alten Sachen. Ich hoffe einfach, dass alle meine Reise akzeptieren werden, denn manchmal kann man einfach nicht immer wieder das Gleiche machen. Es ist auch viel interessanter für mich, neue Dinge im Studio zu erforschen.
Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum ich gerade mein eigenes Label EXTATIC Records gegründet habe. Momentan ist nur ein Track veröffentlicht – meine Collab mit KSHMR. Aber mein Ziel mit EXTATIC ist es, aufstrebenden Produzenten mit einem wirklich einzigartigen Sound eine Chance zu geben. Ich bin auf der Suche nach Künstlern mit einem unverwechselbaren Sound, etwas, das mich umhaut, etwas, das mich entweder zum Lachen bringt oder mir ein Bassgesicht verpasst. Ich habe das Gefühl, dass zu viele Produzenten schnell Trends folgen und Sounds kopieren, aber nicht ihre eigene Handschrift hinzufügen. Auf EXTATIC veröffentliche ich lieber weniger Sachen, aber dafür alles in hoher Qualität.
Und was die Kollaborationen angeht: Ich arbeite tatsächlich an einigen mit Künstlern, von denen ich vor einem Jahr nur geträumt hätte. Dazu kann ich leider noch nicht viel sagen, aber um einen zu nennen, der auf jeden Fall auf meiner Liste stehen würde: Tiësto. Wenn ich ihn für einen richtigen Techno/Rave-Track gewinnen könnte, würde ich mich mega freuen.
DJ Mag Top 100 DJs Voting: „Maddix for Resident“?!
Lass uns zu guter Letzt über das DJ Mag Top 100 DJs Voting und deine mehr als kreative Kampagne sprechen. Was sind deine Strategien/Pläne, „to make raving great again“?
Maddix: Haha, danke schön! Mein Team und ich wollten etwas Originelles und Frisches machen, also haben wir uns eine „Präsidenten“-Kampagne ausgedacht, aber dann heißt es „Maddix for Resident“. Die Resonanz war bisher wirklich erstaunlich! Wir haben ein paar lustige Videos mit Kampagnenpunkten geplant, „to make raving great again“, aber ich möchte hier auch einige nennen:
- Jede große Stadt auf der Welt braucht mindestens einen Club, der an den Wochenenden 24/7 geöffnet ist. Ich meine, warum muss ich nach Berlin fahren, um bis 10 Uhr morgens zu raven, oder um zu raven, wann immer ich will?
- Kostenloses Wasser in Clubs und auf Festivals. Raven muss so sicher wie möglich sein und Raver sollten immer Zugang zu Wasser haben, egal wo sie sind.
- Techno ist eine Kultur, eine Religion, und wir sollten sie auf jeden Fall wie eine solche behandeln. Deshalb würde ich dafür sorgen, dass Kinder in der Grundschule ab dem sechsten Lebensjahr die Geschichte der Techno-Musik kennenlernen. Bildung ist wichtig und damit soll hoffentlich die sicherste ravende Generation generiert werden.
Das alles ist natürlich auch ein bisschen spaßhaft gemeint, aber der eigentliche Grund ist, dass ich das Gefühl habe, dass wir neue Vibes und Musik auf den großen Mainstages und in Clubs brauchen. Bei meinen Sets zum Beispiel möchte ich die Leute wirklich viben lassen – ich schneide die Musik nicht alle 30 Sekunden ab und gehe zur völligen Stille über. Es sind eher Techno-Vibes mit längeren Drops, längeren Übergängen, aber immer noch hoher Energie. Ich benutze auch das Mikrofon weniger (kein „1, 2, 3 Jump!“ mehr zum Beispiel). Ich meine, über das Mikro sprechen funktioniert, aber macht es die Crowd wirklich glücklicher? Wenn ich dort stehen würde, würde ich es nicht so sehr mögen, also versuche ich, es sparsam einzusetzen. Solche Veränderungen sind ein Prozess und ich muss mich selbst daran gewöhnen, aber ich glaube, dass sich ebenfalls die Leute bei manchen Events daran gewöhnen müssen.
Wenn du drei deiner Songs auswählen müsstest, die untermauern, warum du der „Resident“ bei den DJ Mag Top 100 DJs sein solltest, welche würdest du auswählen und warum?
„Heute Nacht“: Das war mein größter Song im vergangenen Jahr, die Leute auf der ganzen Welt lieben ihn. Wenn ich ihn in Deutschland spiele, singt die Menge sogar den Text vor dem Drop. Der Track ist genau das, wofür Maddix steht und immer eines der Highlights in meinen Sets.
KSHMR & Maddix – „Close To You“: Dieser Track wurde gerade erst veröffentlicht und ich habe noch keine Ahnung, ob er groß rauskommen wird, aber ich bin buchstäblich süchtig nach der Melodie und dem Vibe der Nummer. Ich finde, dass es eine perfekte Mischung aus meinem und KSHMRs Stil ist. Er ist mysteriös, dunkel, melodisch und trotzdem Techno. Das ist genau das, wonach ich suche.
Lass mich einen unveröffentlichten Song nennen, den die Leute definitiv von mir kennen: Maddix feat. Leila K– „Open Sesame“: Hier erforsche ich neue Klänge. Es ist eine Neuinterpretation des alten Tracks von Leila K. Der Song beginnt mit einem Reverse-Bass, dann folgt ein Bass im Psytrance-Stil und endet mit einem riesigen harten Techno-Kick. Wo auch immer ich ihn auf der Welt spiele, denkt die Menge immer „WTF passiert hier“, haha. Hoffen wir, dass wir ihn bald veröffentlichen können.
Was passiert, wenn du der „Resident“ wirst?
Hoffentlich werde ich Resident auf allen großen Festivals der Welt! Ich würde meine Musik unter die Leute bringen und ihnen zeigen, dass Raven „can be great again“ und nicht immer gleich klingen muss.
Fotocredit: Maddix (Press Pic)
DJ Mag Top 100 DJs Voting
Das DJ Mag Top 100 DJs Voting feiert dieses Jahr sein 30. Jubiläum und bietet dir bis zum 13. September die Chance, für deine Top 5 DJs abzustimmen. 2022 hat es Martin Garrix auf Platz 1 geschafft. Wer wird es 2023? Zum Voting kommst du auf vote.djmag.com.