Joyhauser haben ein langes, emotionales Statement zu den aktuellen Vorwürfen und den vielen Berichten aus der Hard-Techno-Szene veröffentlicht. Darin kritisieren sie den Wandel der Kultur durch Social Media, Hype und Ego und fordern eine Rückbesinnung auf Respekt, Einvernehmlichkeit und echte Community. Auffällig ist, dass sich Joyhauser explizit bei „Brad“ für seinen Mut bedanken, Missstände öffentlich zu machen.
„Ein DJ ist mehr als jemand, der Platten spielt“
Inmitten der aktuell eskalierenden Debatte im Hard Techno melden sich Joyhauser mit einem ungewöhnlich persönlichen Statement zu Wort. Es ist kein „Wir beobachten das“-Post, sondern eine Grundsatzrede über den Zustand einer Szene, die aus ihrer Sicht gerade einen harten Realitätscheck erlebt. Schon der erste Slide ist ein Schlag in den Magen: „Wie ist unsere schöne Szene hier gelandet?“ Für das Duo steht fest: Die Szene habe sich verändert – und zwar nicht zum Besseren.
In ihrer Erklärung holen Joris und Stijn weit aus und erinnern daran, warum sie Joyhauser überhaupt gegründet haben. Sie erzählen, dass ihr Name aus der Kombination zweier Psychologen entstanden sei und dass sie einen DJ immer als mehr verstanden hätten als jemanden, der Musik abspielt. Nicht als Selbstdarsteller, sondern als jemand, der eine Stimmung lenkt, Räume öffnet und Menschen auffängt. Ein Abend, an dem jemand leichter nach Hause geht, an dem Druck abfällt, an dem man sich sicher fühlt – das sei für sie der Kern.
Genau deshalb trifft die aktuelle Welle an Vorwürfen und Berichten sie offenbar so hart. Laut Joyhauser fühlt es sich an, als habe die Szene „den Boden erreicht“. Sie bleiben nicht bei der Empörung stehen, sondern versuchen zu erklären, wie es so weit kommen konnte. Social Media habe den Fokus verschoben – weg von der Crowd, weg von der Musik, hin zum DJ. Sichtbarkeit, Image, „schau mich an“. So entstehe ein Klima, in dem falsche Motive angezogen würden: Menschen, die nicht in die Booth wollen, um Musik zu teilen, sondern um wichtig zu sein. Um im Rampenlicht zu stehen. Um ihr Ego zu füttern.
Das Duo findet dafür harte Worte. Sie sprechen von narzisstischen Persönlichkeiten, die von Aufmerksamkeit leben, und von einem System, das solche Dynamiken verstärkt, weil es Reichweite belohnt. Gleichzeitig richten sie den Blick auch auf die Mechanik dahinter. Promoter seien Teil des Systems, das sie mit erschaffen hätten, so Joyhauser. Wenn Bookings stärker von Follower-Zahlen abhängen als von musikalischer Integrität, wenn Hype wichtiger wird als Kunst, verliert am Ende alles an Tiefe: die Kultur, der Dancefloor, die Musik selbst.
Besonders heikel – und zugleich bezeichnend für die Eskalationsstufe – ist eine Passage, in der Joyhauser „Brad“ explizit danken. Sie schreiben, es brauche Mut, öffentlich zu sprechen, gerade in einer Branche, in der Schweigen oft als sicherer gilt. Sie hoffen auf Konsequenzen und darauf, dass Betroffene wieder Respekt und Gerechtigkeit erfahren. Damit positionieren sie sich klar gegen „Abwarten und Wegducken“ und für „Hinschauen, Aufarbeiten und Verantwortung übernehmen“.
Trotz des harten Tons bleibt das Statement im Kern ein Appell. Joyhauser wünschen sich Reflexion: Was für eine Szene wollen wir wirklich? Eine, die von Algorithmen, Ego und Image getrieben ist – oder eine, die wieder um Musik, Respekt und echte Verbindung kreist? Der Text endet nicht mit einem PR-Aufruf, nicht mit einem Link, nicht mit Promo, sondern mit einem Satz, der hängen bleibt: Im Moment seien sie „nicht stolz“, innerhalb dieses Systems DJs zu sein.
Joyhauser liefern damit keinen „Fakten-Update“-Post, sondern eine Momentaufnahme der Stimmungslage: Trauer, Wut, Enttäuschung – und der Versuch, aus dem Scherbenhaufen eine Richtung zu finden. In einer Woche, in der Festivals und Veranstalter reihenweise ihre Line-ups anpassen, wirkt dieser Text wie ein kultureller Spiegel: Es geht nicht nur um einzelne Namen, sondern darum, ob eine Szene ihre eigenen Werte noch ernst nimmt.
Hinweis: Wir sammeln alle bestätigten Entwicklungen, Statements und Line-up-Änderungen zu diesem Thema fortlaufend in unserem Newsticker.
Fotocredit: Press Pic

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




