Wie ernst muss man sich als DJ eigentlich nehmen? Innellea beantwortet die Frage mit Trance, einem Ghettoblaster und einem explodierenden Roller. Seine neue Single „Reckless 69“ kommt mit einem satirischen Kurzfilm, der die Inszenierung der elektronischen Musikszene genüsslich überzeichnet.
Nach „Slave to the Hype“ und „Bounce Music“
Mit „Slave To The Hype“ und „Bounce Music“ hat Innellea zuletzt einen direkteren, humorvolleren Blick auf die Welt geworfen, in der er selbst seit Jahren unterwegs ist. Künstlerimages, Erwartungen und das ständige Hinterherlaufen hinter dem nächsten Hype liefern ihm dabei reichlich Stoff. Mit „Reckless 69“ führt er diesen Ansatz weiter.
Die Single ist am 16. Oktober auf seinem eigenen Label belonging erschienen und als Hommage an Trance angelegt. Mit 136 BPM greift sie melodische Einflüsse auf, die sein Projekt von Anfang an begleitet haben. Die neue Veröffentlichung soll dabei auch die unbeschwertere Seite seiner Musik zeigen.
Ein explodierender Roller gehört zum Programm
Den passenden Rahmen liefert „Reckless: The Movie“. Der begleitende Kurzfilm arbeitet mit einer bewusst überzeichneten Künstlerfigur, einem Ghettoblaster, einem explodierenden Roller und einem Tattoo, das gar nicht echt ist. Hinter dem absurden Geschehen steckt eine Frage, die Innellea mit seinen jüngsten Veröffentlichungen beschäftigt: Was bleibt echt, wenn Künstleridentitäten immer sorgfältiger inszeniert werden und die nächste aufmerksamkeitsstarke Aktion schon warten muss?
Der Film nimmt dafür unter anderem Männlichkeitsklischees, konstruierte Persönlichkeiten und den Druck aufs Korn, ständig relevant zu bleiben. Auch das Publikum gehört zu dieser Geschichte. Schließlich entscheiden Fans mit darüber, welche Bilder, Auftritte und Erwartungen sich durchsetzen.
Der Erwartungsdruck war für ihn sehr real
Dass Innellea sich damit beschäftigt, hat einen persönlichen Hintergrund. Bereits im Februar beschrieb er öffentlich das Gefühl, in den Erwartungen anderer festzustecken. Immer wieder werde ihm vermittelt, wie sein Projekt klingen sollte. Dabei habe ihn gerade die musikalische Offenheit seines ersten Raves geprägt. Er kündigte damals an, Abstand von Feeds, Meinungen und äußeren Einflüssen zu nehmen und wieder näher an die ursprüngliche Motivation hinter seiner Musik zu kommen. „It was never just one sound“, schrieb er über sein Projekt.
Mit „Slave To The Hype“, „Bounce Music“ und nun „Reckless 69“ verarbeitet er diese Erfahrungen auch mit Humor. Er spielt selbst die überzeichnete Figur und macht sich damit zum Teil des Witzes. Das gibt der Kritik etwas angenehm Selbstironisches.
„Reckless 69“ ist ab sofort überall verfügbar. Für das bevorstehende Amsterdam Dance Event ist außerdem eine Vorführung des vollständigen Kurzfilms angekündigt.
Fotocredit: Press Pic

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de





