In der Nacht zum Montag wurden in Los Angeles die 68. Grammy Awards verliehen. Aus elektronischer Sicht war es ein bemerkenswert starker Jahrgang, flankiert von einer der politischsten Galas der vergangenen Jahre.
Elektronische Kategorien: FKA twigs, Gesaffelstein und Tame Impala setzen Zeichen
Der wichtigste elektronische Preis des Abends ging an FKA twigs. Ihr Album „EUSEXUA“ gewann in der Kategorie „Best Dance/Electronic Album” und setzte sich gegen hochkarätige Konkurrenz durch. Skrillex, RÜFÜS DU SOL, Fred again.. und PinkPantheress gingen hier leer aus. Ein klares Signal der Recording Academy: Konzept, Atmosphäre und künstlerische Konsequenz schlagen Streaming-Hits.
Tame Impala holten den Preis in der Kategorie „Best Dance/Electronic Recording” für „End Of Summer”. Für Mastermind Kevin Parker ist es bereits der zweite Grammy, nachdem er 2025 für seine Arbeit an „Neverender” von Justice ausgezeichnet wurde. Dass ein siebenminütiger, introvertierter Track gewinnt, ist bemerkenswert und spricht gegen die oft kritisierte Kurzform-Denke der Academy.
Für einen der interessantesten elektronischen Momente des Abends sorgte Gesaffelstein. Der Franzose gewann mit seiner Neuinterpretation von Lady Gagas „Abracadabra” in der Kategorie „Best Remixed Recording” seinen ersten Grammy. Selbstverständlich maskiert, wortlos, mit Verbeugung und Kuss in Richtung Publikum holte er den Preis – mehr Gesaffelstein geht kaum.
Was war sonst so los bei den Grammys 2026?
Lady Gaga war gleich doppelt erfolgreich: „Abracadabra“ gewann in der Kategorie „Best Dance Pop Recording” und ihr Album „Mayhem” in der Kategorie „Best Pop Vocal Album”. Bad Bunnys „Debí Tirar Más Fotos“ gewann in der Kategorie „Album of the Year”. Erstmals ging diese wichtigste Grammy-Auszeichnung an ein rein spanischsprachiges Album. Der puertorikanische Sänger räumte zudem in den Kategorien „Best Música Urbana Album“ und „Best Global Music Performance“ ab.
Mit seiner Dankesrede machte Bad Bunny die Gala dann auch endgültig politisch: Er positionierte sich deutlich gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE und die Trump-Regierung. Auch Billie Eilish, Kehlani und weitere Künstler griffen das Thema öffentlich auf. Protestbuttons und klare Aussagen auf der Bühne prägten die Show. Ungewohnt klar für eine sonst oft glattgebügelte Preisverleihung.
Auch Kendrick Lamar hatte einen recht erfolgreichen Abend: Er gewann fünf Grammys, darunter „Record of the Year” für „Luther“ mit SZA und „Best Rap Album” für „GNX“. Mit nun insgesamt 27 Grammys ist er der am häufigsten ausgezeichnete Rapper in der Geschichte der Grammys.
Abseits der großen Schlagzeilen gab es weitere bemerkenswerte Momente: Olivia Dean wurde als „Best New Artist” ausgezeichnet und Tyler, The Creator gewann mit „Chromatica“ den erstmals vergebenen Grammy in der Kategorie „Best Album Cover”. Zudem schrieb die Gala Geschichte, als mit „Golden” aus dem Netflix-Film „K-Pop Demon Hunters” erstmals ein K-Pop-Song prämiert wurde. Für einen der ungewöhnlichsten Preise des Abends sorgte schließlich der Dalai Lama, der einen Grammy in der Kategorie „Spoken Word” gewann.
Aus DJ-Mag-Sicht sind die Grammys 2026 aus zwei Gründen bemerkenswert: Erstens wurde elektronische Musik nicht nur toleriert, sondern inhaltlich und ästhetisch ernst genommen. Zweitens, weil sich viele Künstler offen politisch positionierten – ohne Umwege und ohne PR-Floskeln. Es war kein perfekter Abend, aber einer der seltenen Fälle, in denen Relevanz, Haltung und musikalische Qualität gleichzeitig sichtbar waren.
Fotocredit: Press Pic

Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de


![John Summit bekommt eigene Ibiza-Residency im [UNVRS]](/_next/image?url=https%3A%2F%2Fmedia.djmag.de%2F2025%2F07%2F21234935%2Fjohn-summit-press-pic-1-scaled-e1760995311430-700x461.jpg&w=1080&q=75)

