In einzelnen Fällen seien internationale DJ-Gagen innerhalb kurzer Zeit um 200 bis 300 Prozent gestiegen: Mit einem Statement macht der GOTEC Club aus Karlsruhe den wirtschaftlichen Druck hinter Clubnächten öffentlich. Die Betreiber warnen davor, die Rechnung immer weiter an die Gäste durchzureichen – und wollen eine Diskussion über bezahlbare elektronische Musik anstoßen.
Wenn die Gagen schneller wachsen als das Budget
Auf dem Line-up stehen die Namen, auf dem Ticket der Preis. Was dazwischen liegt, bekommen Gäste meist kaum mit: die Verhandlungen, die Vorfinanzierung und das Risiko, das ein Veranstalter für eine Nacht eingeht. Der GOTEC Club spricht darüber jetzt öffentlich. In einem am Dienstag veröffentlichten Statement beschreibt er eine Entwicklung, die ihm zunehmend Sorgen bereitet.
Besonders deutlich wird der Club bei den Gagen internationaler DJs. In einzelnen Fällen habe man Steigerungen von 200 bis 300 Prozent innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit erlebt. Der GOTEC Club betont dabei, den Erfolg von Künstlern und ihr Recht auf eine angemessene Bezahlung zu respektieren. Zum Problem werde vor allem das Tempo, in dem sich die Forderungen verändern.
Die Zahlen beziehen sich auf Erfahrungen des Clubs mit einzelnen Fällen. Konkrete Artists, Gagenbeträge oder einen genauen Vergleichszeitraum nennt der Club in dem vorliegenden Statement nicht.
Die Gäste können nicht jede Erhöhung auffangen
Zur höheren Gage kommen laut des GOTEC Clubs steigende Ausgaben für Personal, Technik, Sicherheit, Energie und Produktion. Veranstalter müssten erhebliche Summen vorfinanzieren und dafür sorgen, dass sie ihre laufenden Rechnungen weiterhin bezahlen können. Diese Belastungen ließen sich nicht unbegrenzt auffangen. Für das Publikum kann das höhere Eintritts- und Getränkepreise bedeuten. Doch auch die Gäste haben ein begrenztes Budget. Der GOTEC Club spricht diesen Punkt ausdrücklich an: Man könne nicht erwarten, jede Kostensteigerung dauerhaft an sie weiterzugeben.
„Elektronische Musik darf nicht zu einem Luxusgut werden“, heißt es im Statement. „Sie muss zugänglich und bezahlbar bleiben.“
Dahinter steht auch eine Sorge um die Orte, an denen diese Musik stattfindet. Wenn Veranstaltungen wirtschaftlich nicht mehr funktionieren, verschwinden aus Sicht des Clubs langfristig Bühnen, Entwicklungsmöglichkeiten und kulturelle Vielfalt. Es geht damit auch um die Frage, wo neue Artists künftig ihre ersten Auftritte spielen und ein Publikum finden können.
Der GOTEC Club will die Diskussion aus dem Backstage holen
Der Club kennt seine unternehmerische Verantwortung und die Risiken des Veranstaltungsgeschäfts, wie er im Statement betont. Er wolle keine Schuldigen suchen, sondern ein Thema öffentlich machen, über das hinter den Kulissen bereits gesprochen werde. Der Appell richtet sich an die Szene, gemeinsam nach einem tragfähigen Umgang mit der Entwicklung zu suchen.
Ähnliche Gedanken äußerte bereits Dockland-Gründer und Geschäftsführer Thomas Pieper im Mai gegenüber DJ Mag Germany. Im Interview zeigte er Verständnis dafür, dass erfolgreiche Artists hohe Gagen erzielen möchten. Gleichzeitig wünschte er sich, dass auch international gefeierte Namen wieder häufiger kleinere Clubtouren einplanen und damit die Orte stärken, aus denen ihre Karrieren entstanden sind.
Das GOTEC bringt nun die Perspektive eines Clubs in diese Diskussion ein. Für die Gäste wird sie spätestens dann spürbar, wenn das nächste Ticket teurer ist oder ein vertrauter Veranstaltungsort fehlt. Ob eine Nacht bezahlbar bleibt, entscheidet sich allerdings schon lange vor dem Einlass: beim Booking, bei der Planung und bei der Frage, welche Kosten ein Club tragen kann, ohne sein Publikum zu verlieren.
Fotcredit: Marcel Strauß

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




