Cercle hat sich mit einem emotionalen Statement an die Community gewandt. Das französische Musikprojekt spricht von ernsten finanziellen Schwierigkeiten, sagt das geplante Cercle Festival in Mexiko ab und bittet Fans erstmals direkt um Unterstützung.
Aus außergewöhnlichen Orten wurde ein globales Musikphänomen
Cercle steht für Bilder, die sich eingebrannt haben. Elektronische Musik auf Bergen, in Wüsten, vor historischen Kulissen, auf Dächern, an Orten, die vorher kaum jemand mit DJ-Sets verbunden hätte. Was vor zehn Jahren mit einer einfachen Idee begann, wurde zu einem der prägendsten audiovisuellen Projekte der elektronischen Musikkultur.
Nun kämpft Cercle offenbar um seine Zukunft. In einem langen, emotionalen Statement schreibt das Team, man befinde sich in ernsten finanziellen Schwierigkeiten. Der Beitrag beginnt mit den Worten: „Das ist wahrscheinlich der schwierigste Beitrag, den wir je geschrieben haben.“ Darin blickt Cercle auf mehr als 200 Shows weltweit, Millionen von Online-Zuschauern und ein Projekt zurück, das aus eigener Kraft gewachsen sei. Gestartet sei Cercle damals mit 10.000 Euro. Davon habe man GoPros, Mikrofone, einen Computer und einen Mixer gekauft. Der Rest sei Risiko, Leidenschaft und der Wille gewesen, elektronische Musik an Orte zu bringen, die größer wirken als jedes normale Bühnenbild.
Cercle Festival in Mexiko wird abgesagt
Besonders konkret wird das Statement beim geplanten Cercle Festival in Mexiko. Das Event wird abgesagt, weil es laut Cercle unter den geplanten Bedingungen nicht mehr in der eigenen Qualität umgesetzt werden könne. Alle Ticketkäufer sollen automatisch innerhalb von 24 bis 48 Stunden ihr Geld zurückerhalten. Als Gründe für die aktuelle Lage nennt Cercle die Entwicklungen der vergangenen zwei Jahre. Nach der Coronapandemie seien Kosten und Steuern weiter gestiegen, während Margen geschrumpft seien. Irgendwann habe die Balance, die man über Jahre gehalten habe, nicht mehr getragen.
Das Team besteht laut Statement aus 35 Menschen. Genau dieser Punkt macht die Nachricht so bitter: Hinter Cercle steht kein anonymer Content-Kanal, sondern eine Produktionsstruktur, die über Jahre an der Grenze des Machbaren gearbeitet hat. Wer solche Shows gesehen hat, weiß, wie viel Logistik, Genehmigungen, Filmproduktion, Artist-Handling und Risiko in diesen Projekten stecken.
Künstler stellen sich hinter Cercle
Die Reaktionen aus der Szene zeigen, welchen Stellenwert Cercle inzwischen hat. Vintage Culture kommentierte: „Count on me guys!“ und schrieb, Cercle sei eine Inspiration für Musikliebhaber weltweit gewesen. Ben Böhmer sprach von einigen der „magischsten Momente“ seines Lebens und sicherte volle Unterstützung zu. Auch Shimza, DJ ANNA, Kasablanca, Chris Avantgarde, Aaron Hibell, Artbat, Boris Brejcha und viele weitere meldeten sich unter dem Beitrag. Chris Avantgarde brachte sogar eine mögliche Benefiz-Show ins Spiel und schrieb, er würde dafür auf seine Gage verzichten. Artbat erklärten, Cercle habe ihnen nur die besten Erinnerungen gebracht. Aaron Hibell schrieb, Cercle habe ihn mit so viel Musik in Berührung gebracht, dass sie ihn bis heute inspiriere.
Solche Kommentare sind mehr als digitale Anteilnahme. Sie zeigen, dass Cercle für viele Artists nicht einfach eine Plattform war, sondern ein Ort, an dem elektronische Musik anders erzählt wurde: weniger über Hype, mehr über Atmosphäre, Ort und Moment.
Ein Projekt zwischen Kulturleistung und Finanzdruck
Cercle bittet die Community nun erstmals offen um direkte Unterstützung. Wer finanziell helfen könne, solle dies über cercle.io tun. Wer das nicht könne, helfe bereits mit Likes, Shares oder Kommentaren. Gleichzeitig verspricht das Team, die nächsten Schritte transparent zu kommunizieren. Alles, was bisher auf YouTube veröffentlicht wurde, soll frei verfügbar bleiben, solange Cercle darüber Kontrolle hat.
Die Nachricht trifft einen Nerv, weil sie ein Problem sichtbar macht, das in der elektronischen Musik oft übersehen wird. Spektakuläre Produktionen wirken nach außen selbstverständlich, sind es aber nicht. Gerade Projekte, die nicht nur Content produzieren, sondern kulturelle Momente schaffen wollen, tragen ein enormes finanzielles Risiko.
Cercle hat in den vergangenen zehn Jahren gezeigt, wie elektronischer Musikjournalismus, Live-Performance, Film und Reiselust ineinandergreifen können. Viele Sets waren keine klassischen DJ-Mitschnitte, sondern fast kleine Zeitkapseln: ein Artist, ein Ort, ein Moment, der für immer abrufbar bleibt. Ob Cercle diese Krise übersteht, ist offen. Sicher ist nur: Das Projekt hat der elektronischen Musik Bilder geschenkt, die bleiben. Und vielleicht zeigt sich jetzt, wie viel diese Erinnerungen der Szene wirklich wert sind.
Fotocredit: Cercle Festival

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de





