Mit einem ausführlichen Statement wollte das Glücksgefühle Festival erklären, warum Alphaville kurzfristig aus dem Line-up gestrichen wurden. Beruhigt hat das die Debatte allerdings nicht. Bereits innerhalb der ersten Stunde sammelten sich mehr als 1.000 Kommentare unter dem Beitrag – viele davon kritisch.
Das Festival erklärt seine Entscheidung
In einem dreiteiligen Instagram-Beitrag wendet sich das Glücksgefühle Festival an seine Community. Die Veranstaltung stehe für Musik, Freude und ein gemeinsames Erlebnis, bei dem es vor allem darum gehe, glücklich zu sein. „Gesellschaftlich kontrovers diskutierte Themen und politische Reden“ sollen deshalb auf den Bühnen keinen Platz haben.
Gleichzeitig liefert das Festival mehr Hintergrund zur Vorgeschichte. Alphaville seien 2026 bereits bei zwei weiteren Veranstaltungen desselben Veranstalters aufgetreten. Beim ersten Auftritt habe es vonseiten der Band zahlreiche politische Äußerungen gegeben. Diese hätten bei einigen Besuchern für Unmut gesorgt und die ausgelassene Stimmung getrübt. Anschließend seien beim Veranstalter Nachrichten eingegangen, in denen sich Gäste eine stärkere Konzentration auf die Musik gewünscht hätten.
Vor dem zweiten Konzert habe man Alphaville deshalb gebeten, auf politische Äußerungen zu verzichten. Die Band habe sich daran gehalten. Auch vor dem Glücksgefühle Festival sei diese Vorgabe noch einmal kommuniziert worden. Diesmal habe man jedoch keine Einigung erzielen können.
Dabei gehe es ausdrücklich nicht um die politische Haltung von Marian Gold oder Alphaville, betonen die Verantwortlichen. Das Festival wolle lediglich den Rahmen für seine eigenen Bühnen festlegen. Über allem stehe das Motto „Good Vibes Only“. Das Statement endet mit den Worten: „MUSIK VERBINDET. Unsere Bühne gehört der Musik – nicht der Politik.“
Mehr als 1.000 Kommentare in der ersten Stunde
Die erhoffte Ruhe brachte das Statement nicht. Innerhalb der ersten Stunde gingen mehr als 1.000 Kommentare ein. Viele Nutzer stellen grundsätzlich infrage, ob sich Musik und Politik überhaupt so klar voneinander trennen lassen.
Besonders häufig geht es dabei um den Inhalt der früheren Bühnenansagen. Nach Angaben des Bandmanagements hatte sich Marian Gold gegen rechtsradikale Tendenzen und für Freiheit, Toleranz und Demokratie ausgesprochen. Zahlreiche Kommentatoren wollen darin keine kontroverse politische Rede erkennen. „Wer es als politisch bezeichnet, sich für Menschenrechte auszusprechen, offenbart ganz andere Probleme“, schreibt ein Nutzer.
Andere drehen die Argumentation des Festivals um: Nicht Alphavilles Ansagen, sondern erst die Ausladung der Band habe die Veranstaltung politisch aufgeladen. Auch das Motto „Good Vibes Only“ wird immer wieder aufgegriffen. Viele fragen sich, weshalb ein Eintreten für demokratische Werte nicht mit guter Stimmung vereinbar sein sollte.
Wiederholt fällt außerdem der Name Andreas Gabalier. Der österreichische Sänger steht weiterhin im Line-up, obwohl seine Aussagen zu gesellschaftlichen und politischen Themen seit Jahren kontrovers diskutiert werden.
Ganz einseitig ist die Reaktion trotzdem nicht. Einige Nutzer stellen sich hinter die Entscheidung des Festivals. Sie möchten bei Konzerten Musik hören und unbeschwert feiern. Zudem verweisen sie darauf, dass ein Veranstalter grundsätzlich Regeln für die eigene Bühne festlegen dürfe. Im Verhältnis zu den zahlreichen kritischen Stimmen bleibt diese Zustimmung jedoch deutlich leiser.
Eine entscheidende Frage bleibt offen
Der Vergleich mit anderen politisch positionierten Artists ist nicht ganz so einfach, wie er zunächst wirkt. Das Festival sagt nicht, dass Künstler keine politische Haltung haben dürfen. Die Grenze soll erst dort verlaufen, wo diese Haltung während eines Auftritts auf der Bühne geäußert wird. Genau an diesem Punkt bleiben allerdings Fragen offen. Wurde diese Regel allen auftretenden Acts gleichermaßen kommuniziert? Und würde das Festival auch bei anderen Künstlern eingreifen, wenn sie sich auf der Bühne politisch äußern?
DJ Mag Germany hatte den Veranstalter ausdrücklich gefragt, weshalb Alphaville ausgeladen wurden, während mehrere politisch positionierte Acts weiterhin auftreten dürfen. Eine konkrete Antwort darauf haben wir bislang nicht erhalten. Auch das öffentlich veröffentlichte Statement erklärt nicht, ob für alle Künstler dieselben Vorgaben gelten.
Die neue Stellungnahme macht die Vorgeschichte zwischen Alphaville und dem Veranstalter damit verständlicher. Den eigentlichen Streitpunkt löst sie jedoch nicht: Wo endet eine gesellschaftliche Haltung und wo beginnt eine politische Äußerung, die auf einer Festivalbühne nicht mehr geduldet wird?
Das Glücksgefühle Festival findet vom 3. bis 6. September 2026 am Hockenheimring statt. Alphaville sollten ursprünglich am Freitag auf der Dopamin Stage auftreten.
Fotocredit: Jan Heesen

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




