Charles B wirft Alan Walker und Ava Max vor, sich für ihre neue Single „FATE“ zu stark an seiner „O Fortuna“-Version orientiert zu haben. Der Fall zeigt, wie schmal der Grat zwischen Inspiration, gemeinsamer Vorlage und Plagiatsvorwurf sein kann.
Charles B spricht von „gestohlener“ Musikidee
Charles B erhebt schwere Vorwürfe gegen Alan Walker und Ava Max. In einem Instagram-Post wirft der französische DJ und Produzent den beiden vor, sich für ihre neue Single zu stark an seiner eigenen Version von „O Fortuna“ orientiert zu haben. Wörtlich schreibt er unter anderem: „WTF Alan Walker & Ava Max ?? Thanks for stealing my Classical Techno style…“
Der Vorwurf richtet sich gegen „FATE“, die neue Zusammenarbeit von Alan Walker und Ava Max. Der Track erschien vor wenigen Tagen und greift ebenfalls auf „O Fortuna“ zurück, die berühmte Chorpassage aus Carl Orffs „Carmina Burana“. In der offiziellen Veröffentlichung wird die Verbindung zur Vorlage auch deutlich hörbar; der Song arbeitet mit dramatischen Chören, EDM-Drops und einer düsteren, cineastischen Ästhetik.
Charles B sieht darin offenbar mehr als nur eine ähnliche Idee. In seinem Statement schreibt er, die Parallelen gingen für ihn über die gemeinsame Nutzung von Carl Orffs Original hinaus. Er nennt unter anderem Konzept, Struktur, Energie, die Verbindung aus Orchester und Techno sowie Kick, Bassline und Drums als Punkte, die seiner eigenen Version sehr nahe kämen.
„O Fortuna“ erschien Anfang des Jahres
Charles B hatte seine Version von „O Fortuna“ gemeinsam mit MOR3L, AMERO und MOTi im Januar 2026 veröffentlicht. In seinem Post erklärt Charles B, die Idee sei rund ein Jahr zuvor auf einem Flug entstanden: Klassische Musik mit Techno zu verbinden, kraftvoll, dramatisch und bühnentauglich. Daraus habe er seine künstlerische Richtung „Classical Techno“ entwickelt. Seitdem spiele er diese Musik live, unter anderem mit Orchestern wie Electro Symphony. Einige Clips seien viral gegangen und hätten Millionen Menschen erreicht.
Seine Forderung ist deutlich: Der Song von Alan Walker und Ava Max solle aus seiner Sicht sofort entfernt werden. Ob daraus rechtliche Schritte entstehen, ist bislang offen. Öffentlich bekannt ist aktuell vor allem der Vorwurf von Charles B. Eine Reaktion von Alan Walker oder Ava Max liegt nach jetzigem Stand nicht vor.
Inspiration, Sample oder Plagiat?
Der Fall ist heikel, da beide Songs auf derselben äußerst bekannten Vorlage beruhen. „O Fortuna“ gehört zu den am häufigsten verwendeten dramatischen Klassik-Motiven in der Popkultur, in Filmtrailern, in der Werbung und in elektronischer Musik. Wer darauf aufbauend einen modernen Festival-Track produziert, verwendet fast automatisch ähnliche Elemente: große Chöre, düstere Spannung, orchestrale Build-ups, harte Drums, wuchtige Drops.
Genau deshalb ist die Frage nicht so simpel, wie sie in den sozialen Medien oft klingt. Allein die Ähnlichkeit der beiden Tracks beweist noch keinen Diebstahl. Entscheidend wäre, ob Alan Walker und Ava Max bzw. ihre Produzenten Elemente aus der Version von Charles B übernommen haben, beispielsweise ein eigenes Arrangement, eine prägende Bassline oder produktionsspezifische Details, die klar über die gemeinsame Vorlage hinausgehen.
Für Charles B geht es aber offenbar nicht nur um Recht, sondern auch um künstlerische Identität. Als unabhängiger Künstler habe er diese Richtung entwickelt, live gespielt und sichtbar gemacht. Dass kurz darauf zwei deutlich größere Namen mit einem ähnlichen Ansatz erscheinen, empfindet er als Angriff auf seine Arbeit.
Ob der aktuelle Vorwurf mehr bleibt als ein lauter Social-Media-Moment, wird sich zeigen. Klar ist aber: Charles B hat mit seiner Aussage einen Nerv getroffen. Nicht nur, weil es um zwei große Namen geht, sondern weil die elektronische Musik immer wieder an genau dieser Grenze kratzt – zwischen Referenz, Sample-Kultur, Trend und der Frage, wem eine Idee eigentlich gehört.
Fotocredit: Press Pic

Autor
Franz Beschoner
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