30 Jahre I-Motion: Wie ein Veranstalter die deutsche Rave-Geschichte geprägt hat

30 Jahre I-Motion: Wie ein Veranstalter die deutsche Rave-Geschichte geprägt hat

Seit 30 Jahren prägt I-Motion die elektronische Festivallandschaft Deutschlands mit Pioniergeist, Innovationen und Formaten, die sich zwischen Hardstyle, Lichtkunst und noch viel mehr bewegen. Wir blicken auf die Höhepunkte, Experimente und Visionen eines Veranstalters zurück, der nie stillsteht.

Drei Jahrzehnte Rave-Kultur: I-Motion im Wandel der Zeit

1995, irgendwo auf einem verlassenen Militärflughafen im Hunsrück, beginnt eine neue Ära der elektronischen Musik. Mit der ersten NATURE ONE legte I-Motion den Grundstein für ein Festival, das heute zu den größten Europas gehört. Zudem brachte das Unternehmen das Open-Air-Rave-Format nach Deutschland, lange bevor es zum Mainstream wurde.

„Live-Entertainment ist unsere Leidenschaft, Musikfestivals sind unser Kerngeschäft. Seit 30 Jahren begeistern wir bis zu 250.000 Menschen pro Jahr. Unser wichtigstes Projekt ist NATURE ONE, eines der traditionsreichsten und größten Festivals für elektronische Musik weltweit.“

I-Motion GmbH Events & Communication

Nur ein Jahr später folgte mit WaterWorld das nächste Format: ein Festival am Wasser mit Beach-Club-Flair in Mülheim-Kärlich. Die frühen Jahre der I-Motion GmbH sind geprägt von Neugier, Risikobereitschaft und einem Gespür für neue Räume, seien es das stillgelegte Flughafengelände, Industriehallen oder Naturflächen.

Ende der 90er schaltete I-Motion einen Gang höher: Das Unternehmen beteiligte sich mit eigenen Trucks an der Love Parade, brachte 1999 das Publikum beim großen Millennium Spektakel am Deutschen Eck in Koblenz zum Beben und wagte 2000 sogar die kuriose, aber medienwirksame Zusammenarbeit mit Elton John für ein Open-Air-Konzert am Schloss Koblenz. Im selben Zeitraum entsteht mit dem Clubformat Models & Bikes in Koblenz ein weiterer Beweis für I-Motions Faible für ungewöhnliche Konzepte. Apropos ungewöhnliche Konzepte: Dass I-Motion keine Berührungsängste mit klassischer Kultur hat, zeigte sich unter anderem bei Veranstaltungen wie 60 Jahre Rhein-Zeitung (2006) oder dem Rheinland-Pfalz-Tag (1999). Dort wurde elektronische Musik gezielt in ein breiteres Publikumskonzept eingebettet.

2003 folgt mit Ruhr-in-Love dann der nächste große Wurf. Ein Festival, das nicht auf bombastische Mainstages, sondern auf Community setzt. Über 40 Floors von Crews aus ganz Europa machen den Olga-Park in Oberhausen jedes Jahr zur buntesten Technoparade des Sommers. Hier geht es nicht um Star-Booking, sondern um Szenevielfalt und emotionale Nähe.

Oder, wie es I-Motion-Geschäftsführer Oliver Vordemvenne formuliert:

„Was gibt’s Geileres zu verkaufen als das kleine Glück? […] Wir wollen Menschen das kleine Glück schenken. Dass sie eine gute Zeit haben, Lebensfreude spüren, Gemeinschaft erleben – zu guter elektronischer Musik.“

Oliver Vordemvenne im DJ Mag Interview

2007 übernimmt I-Motion die Verantwortung für ein weiteres der wichtigsten elektronischen Festivals Deutschlands: MAYDAY. Die Veranstaltung zieht jährlich zehntausende Besucher in die Dortmunder Westfalenhallen und hat sich zu einem festen Bestandteil im Festivalkalender der Szene entwickelt. Mit einem Fokus auf Techno und großen Gesten zählt MAYDAY bis heute zu den prägendsten Indoor-Rave-Erlebnissen Europas.

Mit Formaten wie SYNDICATE (ab 2007) und TOXICATOR (ab 2009) baut I-Motion eine zweite Säule auf: die Welt der Harder Styles. Ein weiterer, jedoch kurzlebiger Ableger war das auf Metal ausgerichtete Magic Circle Festival (2009) auf der Loreley.

Doch auch im Clubkontext bleibt I-Motion aktiv: 2010 feiert das hauseigene Label abstract sieben Jahre Bestehen – stilecht mit einer Nacht im Butan Club in Wuppertal. Zwischen 2009 und 2019 organisierte abstract zudem deutschlandweite Label-Nights, die lokale Acts in den Fokus rückten. 2012 testete man mit RadioNation in Zusammenarbeit mit Sunshine Live ein Format, das Clubsound mit Radiobranding kombiniert – erneut in Mannheim und mit neuem Ansatz.

2013–2025: Wandel, Rückbesinnung und neue Energie

2013 wurde I-Motion Teil von SFX Entertainment – und blieb trotzdem I-Motion. Die kreativen Projekte laufen weiter, mit neuen Akzenten: EXODUS brachte 2016, 2017 und 2020 brachiale Sounds und Showelemente in die Westfalenhalle und REVOLT war 2019 Deutschlands erstes Harder Styles Open-Air-Festival.

Die großen Klassiker wachsen außerdem weiter: TOXICATOR wird zum Pflichttermin für Fans der Harder Styles im Süden, SYNDICATE bleibt das lauteste Ereignis der Dortmunder Herbstnächte und MAYDAY feiert jedes Jahr Ende April ein beeindruckendes Comeback. Auch der polnische Ableger von MAYDAY in Katowice zählt seit dem Jahr 2000 zum internationalen Portfolio von I-Motion.

Abseits der harten Sounds entstehen neue Ansätze: So lockt der Christmas Garden seit 2021 auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz Familien, Kunstinteressierte und Lichterliebhaber an.

2023 ist dann ein Jahr der Weichenstellung: Teilnahme an Rave The Planet, hundertprozentige Übernahme durch DEAG, strategischer Neustart – aber mit vertrautem Spirit.

2025 schließlich wird zum Jubiläumsjahr mit sechs zentralen Festivals: SUPREMACY, MAYDAY, Ruhr-in-Love, NATURE ONE, SYNDICATE und TOXICATOR.

Die Geschichte geht weiter – und bleibt in Bewegung.

Fotocredit: NATURE ONE


Franz Beschoner

Franz Beschoner

Head of Editorial / franz@djmag.de