Zum Hauptinhalt springen

Schwere Vorwürfe nach SONDER-Ankündigung: DNA-Team nimmt Stellung

Schwere Vorwürfe nach SONDER-Ankündigung: DNA-Team nimmt Stellung

Die Ankündigung von SONDER in München hat heftige Kritik am Team des früheren DNA Clubs ausgelöst. Nun nimmt das DNA-Team zu Vorwürfen sexueller Übergriffe, Gewalt und Machtmissbrauch Stellung. Eine Person aus der Geschäftsführung soll vorläufig freigestellt werden.

Unter der Ankündigung werden schwere Vorwürfe laut

Mit SONDER soll im Münchner Werksviertel ein neuer Ort für elektronische Musik und Kultur entstehen. Doch unter den Beiträgen zur Ankündigung meldeten sich auch Menschen, die zunächst Antworten auf Fragen zum früheren DNA Club verlangen.

Mehrere Kommentierende werfen Verantwortlichen sexuelle Übergriffe, körperliche Gewalt oder Machtmissbrauch vor. Andere kritisieren den Umgang mit Hinweisen auf solche Vorfälle. Immer wieder kommt dabei die Forderung auf, dass ein neuer Name eine Aufarbeitung nicht ersetzen dürfe. Diese Kritik findet sich unter anderem unter dem Instagram-Beitrag der Süddeutschen Zeitung und unter unserer eigenen SONDER-Ankündigung.

Instagram Post blockiert

Um diesen Inhalt zu sehen, erteile bitte deine Zustimmung für Marketing-Cookies.

DJ Mag Germany kann die geschilderten Vorfälle derzeit nicht unabhängig bestätigen. Die Kommentare belegen, dass diese Vorwürfe öffentlich erhoben werden, nicht aber die zugrunde liegenden Geschehnisse.

Am 21. Oktober hat das DNA-Team nun eine ausführliche Stellungnahme veröffentlicht. Darin antwortet es auf die Kritik und kündigt eine personelle Konsequenz an.

Eine Person aus der Geschäftsführung soll vorläufig freigestellt werden

Das Team habe einvernehmlich entschieden, eine von den Vorwürfen betroffene Person aus der Geschäftsführung vorerst freizustellen. So wolle man der Aufarbeitung Raum geben. Ein Name wird nicht genannt. Sollten sich bei einer sorgfältigen rechtsstaatlichen Prüfung hinreichende Anhaltspunkte für die erhobenen Vorwürfe ergeben, sei eine dauerhafte Abbestellung vorgesehen.

Außerdem berichtet DNA von einem laufenden polizeilichen Vorgang nach einer körperlichen Auseinandersetzung, an der eine verantwortliche Person beteiligt gewesen sei. Dabei seien gegenseitig Strafanzeigen erstattet worden. Der Vorfall habe sich außerhalb des Clubbetriebs ereignet. Über den Ablauf gebe es gegensätzliche Darstellungen. Das Team wolle der behördlichen Aufarbeitung nicht vorgreifen.

Eine Bestätigung der zuständigen Behörden zum Stand dieses Vorgangs liegt uns nicht vor.

DNA widerspricht dem Vorwurf, bei Übergriffen wegzusehen

Zu den Vorwürfen sexueller Belästigung und Übergriffe erklärt das Team, Hinweise ernst zu nehmen und Betroffene unterstützen zu wollen. Bei bekannt gewordenen Vorfällen zwischen Gästen habe man reagiert, teilweise die Polizei eingeschaltet und Personen dauerhaft aus dem Club ausgeschlossen. Den Vorwurf, bei solchen Situationen wegzusehen, weist DNA ausdrücklich zurück.

Folge uns

Um keine News mehr zu verpassen

Die öffentlich verbreiteten Anschuldigungen gegen Verantwortliche seien aus Sicht des Teams bislang nicht ausreichend konkretisiert worden, um einzelne Sachverhalte nachvollziehbar prüfen zu können. In diesem Zusammenhang seien dem DNA-Team keine entsprechenden Ermittlungsverfahren oder Verurteilungen bekannt. Diese Aussage steht im Abschnitt zu sexueller Belästigung und Übergriffen und ist vom separat geschilderten polizeilichen Vorgang zur körperlichen Auseinandersetzung zu unterscheiden.

Zugleich räumt das Team ein, dass nicht jeder Vorfall unmittelbar bei den Verantwortlichen ankommt. Man wolle deshalb dafür sorgen, dass Hinweise ernst genommen werden und Betroffene Anlaufstellen finden.

Wie das Team auf die Kritik an seinen Schutzstrukturen antwortet

In den Kommentaren werden auch Zweifel an der Awareness-Arbeit des DNA laut. Das Team verweist dazu auf einen gemeinsam mit The AwareMind Project erarbeiteten Code of Conduct und ein bestehendes Awareness-Konzept. Für dessen Umsetzung seien Mitarbeiter geschult und zertifiziert worden. Bei Großveranstaltungen arbeite man zusätzlich mit externen professionellen Awareness-Teams zusammen. Diese Maßnahmen sollen auch für SONDER gelten. Sie könnten allerdings keinen vollständigen Schutz vor jedem Vorfall garantieren, schreibt DNA.

Wer etwas im Club erlebt habe oder einen Hinweis geben möchte, könne sich vertraulich an awareness@dna-club.de wenden. Die Adresse bestehe seit der Cluberöffnung.

Gesprächsangebot mit externer Moderation

Das DNA-Team erklärt außerdem, wiederholt Gespräche zur Klärung angeboten zu haben. Dazu habe auch der Vorschlag gehört, MoNa – Moderation der Nacht einzubeziehen. Die städtische Fachstelle beschäftigt sich mit dem Münchner Nachtleben und bietet unter anderem Konfliktvermittlung sowie Angebote zu Awareness und Sicherheit an. Bis zur Veröffentlichung des Statements sei das Gesprächsangebot nicht angenommen worden, schreibt das Team. Eine Stellungnahme der angesprochenen Personen dazu liegt uns nicht vor.

DNA wolle weiterhin konkrete Hinweise entgegennehmen und bei Bedarf externe Stellen hinzuziehen. Gleichzeitig behält sich das Team rechtliche Schritte gegen Äußerungen vor, die aus seiner Sicht die Grenze zu Beleidigungen oder Persönlichkeitsrechtsverletzungen überschreiten. Sachliche Kritik solle dadurch nicht verhindert werden.

Welche Rolle DNA künftig bei SONDER spielen soll

Ein wesentlicher Teil der Kritik richtet sich gegen den Eindruck, unter einem neuen Namen könnten die bisherigen Fragen in den Hintergrund rücken. Das Team widerspricht dieser Darstellung: SONDER sei eine eigenständige Veranstaltungsstätte, DNA solle als Veranstalter weiterbestehen.

Die Planung für SONDER habe bereits lange vor dem Aufkommen der öffentlich verbreiteten Anschuldigungen begonnen. Innerhalb der neuen Location solle DNA weiterhin für Techno stehen. SONDER selbst sei breiter angelegt und solle weitere elektronische Genres und Kulturveranstaltungen ermöglichen.

Das Team unterscheidet damit zwischen dem Ende des bisherigen Clubbetriebs und dem Fortbestehen der Veranstaltungsmarke. SONDER sei weder als Reaktion auf die Vorwürfe entstanden noch als Versuch, davon abzulenken.

Mit der Stellungnahme hat DNA seine Sicht auf die Diskussion öffentlich gemacht und eine vorläufige Freistellung angekündigt. Welche weiteren Schritte zur Aufarbeitung folgen und welche Erkenntnisse sie bringen, ist bislang offen. Die Menschen, die in den Kommentaren von eigenen Erfahrungen berichten oder Aufklärung verlangen, haben damit noch nicht auf alle ihre Fragen eine Antwort.

Die vollständige Stellungnahme des DNA-Teams könnt ihr hier nachlesen.

Fotocredit: Godefroy Boutet

DJ Mag Germany Logo
Franz Beschoner

Autor

Franz Beschoner

Head of Editorial / franz@djmag.de