Nervo
Interviews

Nervo wünschen sich mehr weibliche DJs auf Festivals

Nervo wünschen sich mehr weibliche DJs auf Festivals

Zwischen vollem Festivalkalender, Promotour und Studioarbeit haben wir das australische DJ Duo Nervo ans Telefon bekommen und mit ihnen über blöde Anmachen und Diskriminierung im Musikbusiness gesprochen. Am Ende haben die beiden Damen sogar verraten, was sie machen würden, wenn sie für einen Tag Männer wären.

Kaum Auftritte in Deutschland

Nervo sind in diesem Sommer viel unterwegs - leider haben die beiden Damen kaum Auftritte in Deutschland. Der einzige bislang geplante Gig ist am 9. September beim Lollapalooza in Berlin.

Katrin

Katrin

Redaktionsleiterin

 

M:[email protected]


Nervo im Exklusiv-Interview mit dem DJ Mag Germany

Hey Nervo, ihr seid gerade in Australien und habt ein paar Tage frei. Während der Festivalzeit ist das vermutlich die Ausnahme, oder?

Von Montag bis Mittwoch haben wir in der Festivalzeit meistens frei. Wir brauchen das, um Energie zu tanken. Wir nutzen die Zeit mit unseren Freunden und unserer Familie. Das ist in der stressigen Festivalzeit für uns ein absolutes Muss!

Was macht ihr sonst noch so, um euch zu entspannen?

Auf jeden Fall hören wir keine Musik (lachen). Wir brauchen Ruhe, Ruhe und noch mehr Ruhe. Außerdem arbeitet unser Gehirn zu viel, wenn wir Musik hören, da wir jeden Track analysieren: Struktur, Lyrics, Aufbau, Vocals – wir diskutieren dann viel zu sehr darüber, wie der Song entstanden ist, als dass wir ihn wirklich genießen könnten. Deswegen hören wir wirklich nur ganz selten an freien Tagen Musik und wenn, dann ist es klassische Musik oder Jazz, dabei kann man am besten relaxen.


Könnt ihr denn bei Serien und Filmen entspannen?

Jaaaaaaaaaaaaaaaa! Wir schauen total gerne Filme, am liebsten Dokumentationen. Zuletzt haben wir „The Keepers“ gesehen – eine wirklich schreckliche Geschichte. Wir versuchen an freien Tage den Kopf für neue Ideen freizubekommen. Gerade für das Tomorrowland – für uns das wichtigste Festival im Jahr – wollen wir unseren Fans neue Mashups und ein neues Intro präsentieren. Um etwas wirklich Perfektes zu kreieren, muss man aber absolut fokussiert sein. Das geht beim Serien gucken leider nicht. Wenn die Festivalsaison vorbei ist, haben wir hoffentlich wieder mehr Zeit für Filme & Co.

Steht euer Outfit fürs Tomorrowland schon?

Klar. Wir lieben Onlineshopping, weil wir da ständig neue Trends und Inspiration für Outfits finden. Wir lieben den australischen Klamottenhersteller „BlackMilk“. Die Outfits dort sind mega hipp, ausgefallen und cool – so wie wir (lachen). Fürs Tomorrowland haben wir ein wirklich verrücktes Outfit zusammengestellt.

Vielleicht erinnert ihr euch: Vor ein paar Wochen hat Steve Aoki männliche DJs und Veranstalter dazu aufgerufen, in der Szene und auf Festivals mehr Platz für Frauen zu schaffen. Wie steht ihr dazu?

Das ist ein wirklich großes Thema. Als wir angefangen haben professionell Musik zu machen und richtig durchgestartet sind, waren wir in unserer Szene fast die einzigen Frauen. Aber Ja, die großen Promoter sollten mehr weibliche DJs für die Mainstages buchen. Mittlerweile gibt es einige weibliche DJs – vor allem in der Technoszene. Das ist gut.

Was können Frauen besser machen, damit sie in der Szene mehr Akzeptanz finden?

Es ist ja nicht so, dass sie nicht akzeptiert werden. Es wird nur viel zu oft ein falsches Bild von ihnen vermittelt und viele Frauen haben ja selbst ihren Anteil daran. Viele Frauen tragen Bikinis auf der Stage und legen sehr viel Wert auf ihr Aussehen. Sie verkaufen ihren Körper und nicht ihre Musik. Das kann man gut oder schlecht finden, aber es ist einfach so. Von vielen Fans wird das auch irgendwie gewollt. Wenn männliche DJs in Boxershort auf der Bühne ständen, würde man sie auslachen. Frauen werden für knappe Höschen und tiefen Ausschnitt umjubelt. Das zeigt doch, wie verrückt die Szene ist. 

Werdet ihr oft plump angemacht?

Überhaupt nicht. Die Frage ist immer, wie man mit solchen Sprüchen umgeht. Wenn Männer zu uns sagen, ihr seid sexy, nehmen wir das als Kompliment auf und nicht als blöde Anmache. Wir freuen uns darüber. Wir würden uns wünschen, dass es noch mehr Frauen in der Musikindustrie gibt. Wir mögen, wie Frauen Musik machen. Die männlichen DJs machen ihren Job zwar auch extrem gut, aber für uns bringen Frauen nochmal einen ganz anderen, euphorisierenden Vibe mit. Vielleicht empfinden wir das aber auch nur so, weil wir selbst Frauen sind.

Lasst uns noch einen Schritt weiter gehen. Was würdet ihr tun, wenn ihr einen Tag lang ein Mann sein könntet?

(beide lachen sehr(!) lange) Es wäre interessant zu erfahren, wie sich ein Penis und ein männlicher Orgasmus anfühlt (lachen wieder). Jetzt mal ehrlich: Tatsächlich würde sich für uns kaum was ändern. Wir sind unabhängige Frauen und stolz darauf. Wir lieben, wer wir sind und was wir machen. Wir haben es nicht nötig, Männer zu sein und wir werden auch nicht diskriminert, weil wir Frauen sind. Es ist alles perfekt, wie es ist.

 

Wenn ihr euch zum Abschluss des Interviews einen Cocktail wünschen könntet, welcher wäre das?

Also generell lieben wir alle Drinks: Tequila, Whiskey, Bier... die Liste könnte unendlich so weitergeführt werden. Aber die besten Cocktails unseres Lebens haben wir damals in einer Skybar in Singapore getrunken. Der war echt verdammt gut - eine Mischung aus Cognac, Cranberry Likör, Zimt und  Curaçao Likör. Es wäre echt toll, den jetzt trinken zu können. Der Name des Cocktails passte irgendwie zu uns.

 

Inwiefern?

Der Cocktail hieß: "Good girls gone bad".

Credit: Chloe Paul

Kaum Auftritte in Deutschland

Nervo sind in diesem Sommer viel unterwegs - leider haben die beiden Damen kaum Auftritte in Deutschland. Der einzige bislang geplante Gig ist am 9. September beim Lollapalooza in Berlin.

Katrin

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17.07.18 16:30