Nastia zieht eine persönliche Grenze: Die ukrainische DJ und Produzentin hat ihre geplanten US-Auftritte abgesagt und will vorerst keine weiteren Bookings dort annehmen. Eine Rückkehr macht sie von einem grundlegenden Kurswechsel der US-Regierung gegenüber der Ukraine abhängig.
Die Termine waren noch nicht angekündigt
Eigentlich wollte Nastia diese Woche ihre nächste Nordamerika-Tour vorstellen, einschließlich der Auftritte in den USA. Einen Tag zuvor erklärte sie stattdessen, die geplanten US-Shows abzusagen. In einem Video und einem schriftlichen Statement vom 19. Oktober begründet sie die Entscheidung mit der Politik der Regierung von Donald Trump gegenüber ihrer Heimat. Unter den gegenwärtigen Umständen in den USA aufzutreten, würde sich für sie wie ein Verrat anfühlen, sagt sie. Auch neue US-Bookings werde sie erst wieder annehmen, wenn sich der politische Kurs grundlegend ändere.
Nastia wirft der US-Regierung vor, den wirtschaftlichen Druck auf Russland zu verringern, Energiegeschäfte zugunsten des Angreifers zu verfolgen und den Zugang der Ukraine zu wichtiger Militärtechnologie einzuschränken. Gleichzeitig werde Druck auf die Ukraine ausgeübt, während russische Angriffe weitergingen. Damit sei für sie eine Grenze überschritten, erklärt sie.
Ihr Land kämpfe um seine Existenz. Sie könne ihren Beruf deshalb nicht einfach so weiterführen, als hätten diese Entscheidungen nichts mit ihr zu tun. „Musik hat für mich nie außerhalb der Politik existiert“, schreibt Nastia. In ihrem Video spricht sie auch darüber, dass ihre politischen Äußerungen nicht überall auf Zustimmung stoßen. Trotzdem wolle sie ihre Haltung offen vertreten. Die Absage falle ihr schwer; ihre Fans bittet sie um Verständnis und Unterstützung.
Eine Haltung, die ihre Arbeit seit Jahren begleitet
Nastia, bürgerlich Anastasia Topolskaia, ist seit 2005 als DJ aktiv und hat die ukrainische Clubszene auch abseits ihrer Sets mitgestaltet. Gemeinsam mit dem Team des Kyjiwer Clubs Closer gründete sie 2014 das Strichka-Festival. Außerdem betreibt sie heute TECHNO Records. Ihre Verbindung zur Heimat reicht damit weit über ihre Herkunft hinaus.
Wie unmittelbar der Krieg ihr eigenes Leben verändert hat, schilderte sie 2022 beim International Music Summit auf Ibiza. Nach Beginn der russischen Vollinvasion habe sie die Ukraine verlassen müssen, um weiterarbeiten und ihre Tochter versorgen zu können. Andere Familienmitglieder seien im Land geblieben.
Damals kündigte sie an, die Hälfte ihrer Gagen an Hilfsorganisationen in der Ukraine zu spenden. Zugleich warb sie dafür, dass ukrainische Künstler nach Möglichkeit weiterarbeiten, ihre Heimat unterstützen und international auf den Krieg aufmerksam machen. Ihre Auftritte waren damit auch eine Möglichkeit, etwas für die Menschen zu Hause zu tun.
Nun zieht sie für ihre Arbeit in den USA eine Grenze ohne festes Enddatum. Wann sie wieder dort spielen wird, hängt nach ihrer Erklärung von einem politischen Kurswechsel ab. Ihren Standpunkt fasst sie in einem Satz zusammen: „Meine Solidarität mit der Ukraine ist nicht verhandelbar.“
Fotocredit: Alena Pertseva/Press Pic

Autor
Franz Beschoner
Head of Editorial / franz@djmag.de




