Sascha Tietze – für Festival-Feuerwerk verantwortlich
Interviews

Festival-Pyrotechniker im Interview: "Für das perfekte Spektakel muss alles harmonieren!"

Festival-Pyrotechniker im Interview: "Für das perfekte Spektakel muss alles harmonieren!"

Sie machen die Bühnenshows der DJs zu etwas ganz Besonderem: atemberaubende Licht- und Feuershows auf Festivals. Im Interview hat uns Sascha Tietze, Geschäftsführer von FOG fireworks + sfx GmbH, erklärt, wie das eigentlich entsteht und was sich beim Festivalfeuerwerk alles im Hintergrund abspielt.

5700 Zündungen!

Beim PAROOKAVILLE wurden 5700 Zündungen – die in Summe dann rund 10.000 Schuss ergaben – ausgelöst. Die Vorbereitungen für die diesjährige Ausgabe begann im März. Saschas Team war mit rund 30 Personen dauerhaft vor Ort um unter anderem die MainStage, Bills Factory & Co. mit Effekten auszustatten.

Katrin

Katrin

Redaktionsleiterin

 

M:[email protected]


Sascha Tietze im Interview mit dem DJ Mag Germany

 

Eure Firma macht unter anderem die Pyro für viele große Festivals – PAROOKAVILLE, Electric Love, Airbeat One, World Club Dome, Nature One usw. Wie entsteht aus einfachen Feuerwerken eine so atemberaubende Show aus Licht und Feuer?

In der Summe ist es ein Zusammenspiel aus allen Gewerken und Medien (Licht, Laser, Sound, Pyro, Stagedesign), die eine Festivalshow so einzigartig machen. Je enger die Abstimmung untereinander ist, desto besser wird die Show am Ende. Für das perfekte Spektakel muss einfach alles harmonieren! Im Grunde beginnt alles mit der Musik. Sie ist das Herzstück, zu der wir unsere Effekte wie Flammen, Konfetti, Cryo und Pyrotechnik musiksynchron hinzufügen und homogen in das Bühnenbild einpflegen. Fingerspitzengefühl beim Einsatz der einzelnen Effekte in Verbindung mit der richtigen Positionierung und Abschussfolge ist ein Schlüssel für eine beeindruckende Show.

Sascha

Wir als Zuschauer sehen nur das perfekte Schauspiel am Himmel. Was passiert währenddessen hinter der Bühne?

Natürlich können wir so eine großen Show nicht proben. Demnach müssen wir immer eine PREMIERE feiern, da steigt die Anspannung natürlich. Die Crew ist zu diesem Zeitpunkt besonders konzentriert und jeder wacht über einen Teilbereich. Bei großen Festivals sprechen wir schnell vom 70-120 Effektpositionen, die beaufsichtigt werden wollen.

Wie kann man so viel Feuerwerk hinter der Bühne unterbringen?

Wir nutzen ein eigens entwickeltes System, das uns ermöglich eine Vielzahl an pyrotechnischen Gegenständen auf kleinem Raum unterzubringen.

Das heißt?

Wir bekommen selbst auf kleine Flächen 140 Produkte verladen – andere Unternehmen können da nur rund 40 Produkte verbauen. Das spart Stellflächen in der Bühne, Transportvolumen und Personalkosten.

Wie wird das Feuerwerk transportiert? 

Feuerwerk und pyrotechnische Gegenstände sind grundsätzlich Gefahrgut und müssen im betrieblichen Verkehr besonders behandelt werden. Teilweise müssen auch die Fahrzeuge eine besondere Ausrüstung und Zulassung haben und die Fahrer einen speziellen Führerschein. 

Sascha

Macht ihr euch auch Gedanken um die Umwelt? Die Feinstaubbelastung ist ja immer wieder ein Thema...

Natürlich machen wir uns auch Gedanken über die Umwelt – Hey, es ist auch unser Planet! Wir versuchen die Umweltbelastungen so gut es geht zu minimieren. Beispielsweise kaufen wir 90 Prozent der verwendeten Produkte bei europäischen Herstellern – so sparen wir den langen Schifftransport aus Asien. Aber ja, das mit dem Feinstaub ist im Moment eine hitzige Debatte. Allerdings ist Feinstaub nicht gleich Feinstaub....

Inwiefern?

Die Durchführung eines Feuerwerks ist hinsichtlich der auftretenden Feinstaubbelastung prinzipiell wesentlich weniger problematisch zu bewerten als die Feinstäube aus dem Verkehr, da sie wesentlich kürzer in der Atmosphäre bleiben und im Körper umgehend aufgelöst und entgiftet werden können, was bei den Feinstäuben aus Ruß oder Abriebpartikeln nicht möglich ist.

Wie viel Planung steckt hinter einem 15-minütigen Feuerwerk?

Dabei kommt es darauf an, mit wie vielen weiteren Gewerken man sich abstimmen muss. Wenn wir einfach ein Großfeuerwerk veranstalten sollen, bei dem wir allein agieren, geht das in vier Wochen. Bei einer großen Festivalshow dauert das schon einige Monate. Viel Vorlaufzeit bedeutet zusätzliche Qualität. Es gibt dann Raum erste Ideen auch nochmal zu überdenken und eventuell sogar zu verbessern oder zu verwerfen. Auch für die Materialbeschaffung ist es wichtig, Zeit zu haben. Oft hat man gute Ideen – und dann sind etwa die Materialien kurzfristig nicht verfügbar.

Feuerwerk

Wonach wählt ihr aus, welche Pyro für das jeweilige Festival am besten passt – wie viel Input kommt vom Veranstalter und inwieweit fließt eure Expertise, eure Ideen, mit ein?

Unser Slogan lautet WE SELL YOU WOW – das ist ein Versprechen an den Kunden immer etwas ordentliches abzuliefern. In der Regel wird auf unsere Expertise und Ideen vertraut. Showmusik und ein Skript – was wann passieren soll – kommen häufig von der Produktion und wir geben unseren Input hinzu – auch unter Berücksichtigung des Budgets.

Wir sehen „nur" die fertigen Effekte am Himmel und alles sieht perfekt aus. Gibt es Fehler, die ihr sofort bemerkt für den Zuschauer aber „unentdeckt“ bleiben?

Wir sehen jede Show sowieso aus einem ganz anderen Blickwinkel. Ich persönlich behaupte ein sehr schnelles Auge zu haben und jeden kleinen Fehler zu erkennen. Sei es in der Zündabfolge oder in der Funktion eines einzelnen Effektes. Dieses beobachten ist für uns jedoch sehr wichtig und sicherheitsrelevant um im Zweifel schnell reagieren zu können. Das Publikum bekommt von den meisten Fehlern überhaupt nichts mit – oftmals weiß es ja auch gar nicht, was geplant war. Wenn natürlich die Musik ausfällt oder plötzliche große Teile des Feuerwerks nicht zünden, fragt man sich natürlich schon: Soll das so sein?

Es kann also immer auch einiges schief laufen?

Natürlich kann auch mal was schief laufen. Wir sind von vielen technischen Faktoren abhängig, die alle auf den Punkt funktionieren müssen, da muss man echt den Überblick behalten. Aber auch Witterungseinflüsse wie Wind können uns vor ziemliche Herausforderungen stellen.

Feruwerk

Was war der verrückteste Auftrag, den ihr jemals hattet?

Der verrückteste Auftrag war wohl als wir für den Klangkünstler Christof Schläger im Rahmen seines Konzertes "Schwingungen" im Jahr Kulturhauptstadtjahr 2010 Betonpumpenfahrzeuge am Rhein-Herne-Kanal mit pyrotechnischen Effekten bestückt haben. Das war echt mal was anderes.

Was war der größte Fauxpas ever?

Tja, was soll ich sagen? So richtig schämen musste ich mich zum Glück noch nie!

Und jetzt sag uns noch schnell: Wie wird man Meister des Feuerwerks?

Es handelt sich um eine Zusatzausbildung. Man muss diverse Vorbereitungsfeuerwerke und Lehrgänge absolvieren damit man den ersehnten Befähigungsschein erhält. Mit diesem Schein ist man zwar rechtlich in der Lage Feuerwerke zu zünden aber man sollte sich niemals überschätzen, denn Fehler werden nicht verziehen. Ich habe bei meinem Vater im Familienbetrieb früh mitgeholfen und kann mit meinen 35 Jahren inzwischen auf circa 20 Jahre in der Pyrotechnik zurückblicken.

Fotocredits: Julian Huke, Frank Schoepgens FOTOGRAFIE

5700 Zündungen!

Beim PAROOKAVILLE wurden 5700 Zündungen – die in Summe dann rund 10.000 Schuss ergaben – ausgelöst. Die Vorbereitungen für die diesjährige Ausgabe begann im März. Saschas Team war mit rund 30 Personen dauerhaft vor Ort um unter anderem die MainStage, Bills Factory & Co. mit Effekten auszustatten.

Katrin

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03.08.19 11:47