Musiktherapie
Interviews

Darum ist elektronische Musik Balsam für die Seele

Darum ist elektronische Musik Balsam für die Seele

Es gibt unzählige Therapieformen, die Körper und Geist gut tun – eine davon ist die sogenannte Musiktherapie. Doch was macht man da, wie läuft so eine Therapiestunde ab und kann elektronische Musik auch Balsam für die Seele sein? Musiktherapeut Robert Duda steht unserer Redakteurin Marie Rede und Antwort und verrät Details zu dieser spannenden Therapieform.

Zur Person

Robert Relups Duda ist Musiker, Produzent, Körper-, Trance- und Musiktherapeut in Wien. Schon früh hat er seine Leidenschaft – die Musik – im Wissen um ihre Wirkung, in soziale Kontexte gesetzt. Im Rahmen der musikalischen Assistenz, produziert und musiziert er mit geistig beeinträchtigen Menschen, um ihre eigenen Songs zu entwickeln und zu veröffentlichen. Abseits gibt er noch Trance-Workshops und Musiktherapiestunden – als Musiker ist er übrigens auch noch in und um Wien unterwegs.

Marie

Marie

Autorin

 

M:[email protected]


 

Wie würden Sie als Experte Musiktherapie beschreiben? 

Musiktherapie ist eine Therapieform, bei der die Musik zur Lösung von Problemfragen genutzt wird. In meinen Augen ist Musiktherapie am effektivsten, wenn sie psychotherapeutisch angewendet wird. Das heißt, wir widmen uns bestimmten Problemfragen, die den Lebensalltag erschweren. Anstatt über Probleme zu sprechen, wie das in der "Gesprächs-Psychotherapie" oft der Fall ist, spielen wir mit den Problemen. Dabei wird ein Thema viel mehr auf der emotionalen Ebene angesprochen, weil Musik direkter auf die Gefühlswelt wirkt und dass, noch bevor unser Verstand das begreifen kann. Man lässt den Kopf etwas zur Ruhe kommen und bringt den Körper mit seinen Emotionen in einen Ausdruckszustand.

Inwiefern?

Wir musizieren in der Musiktherapie. Wir experimentieren gemeinsam, manchmal zu bestimmten Themen und manchmal, um gespannt zu lauschen, was gerade so passiert. Dann bringen wir das Gehörte in Bezug zu unserer Persönlichkeitsstruktur. Dabei kann man sich Fragen stellen, wie: "Wie bin ich und wie klinge ich?", "Was löst Musik in mir aus?", "Was klingt in mir an?", "Was kommt in Resonanz?".

Musiktherapie

Wut klingt eher laut und kraftvoll

Was macht man genau bei der Musiktherapie? 

Wenn ein Patient den Raum betritt, dann nehmen wir uns zuerst ein Instrument und spielen aus dem Moment heraus ein Begrüßungslied und zum Abschluss der Stunde ein Abschlusslied. Dazwischen soll Platz für das freie Musizieren sein. Man drückt seine Gefühle sozusagen durch und mit der Musik aus. Trauer klingt für gewöhnlich eher leise, langsam und andächtig, Wut klingt eher laut und kraftvoll. 

Wird eine Musiktherapie Stunde immer individuell auf den Patienten zugeschnitten?

Im Prinzip ist jede Musiktherapiestunde sehr individuell, da die Reaktion eines Menschen auf Musik nicht zu verallgemeinern ist. Jeder hat seinen ganz individuellen Stil im Musik-Hören und im Musik-Machen – immer wieder muss ich alle Vorurteile über Bord werfen, wenn ein neuer Patient zu mir kommt. Manchmal machen wir auch keine Musik mit Instrumenten, sondern arbeiten mit dem Körper als Instrument. Wir hören uns Lieblingslieder auf Youtube an, bewegen uns zur Musik, lauschen der Stille, singen gemeinsam oder ich spiele frei improvisierte Entspannungsmusik für meine Patienten.

Das wohl wichtigste Attribut in der Musiktherapie ist, dass die Beziehung zwischen Patient und Therapeut im Mittelpunkt des Therapieprozesses steht. Mal mehr und mal weniger, mal bewusster und mal mehr nebenbei. Wie wir uns in einer Therapiestunde begegnen, sagt viel über unser Beziehungsverhalten aus. 

Wie Sie gesagt haben, verwenden Sie in den Therapiestunden Instrumente und den Körper selbst, ist das alles? 

Nein, wir nehmen auch Handy oder Laptop hinzu und hören den Lieblingssong, singen Karaoke oder begegnen uns beim Tanzen. Dann reden wir darüber was emotional-körperlich passiert ist. Grundsätzlich ist jedes Instrument für die Musiktherapie geeignet, aber es ist sinnvoll, möglichst verschiedene und einfache Instrumente im Repertoire zu haben. Auch Songwriting, Deejaying, oder Producing haben immer größere Bedeutung in der Musiktherapie. 
Thematisch geht es oft um Dinge wie, Ausdruck, Kommunikation, Kontakt, Beziehung, Ressourcen, Selbstwert, Identität, Genussfähigkeit, Lebenskrisen aller Art, Aktivierung oder Entspannung, Aufmerksamkeit und Konzentration.

Musiktherapie

Um ein bisschen in’s Detail zu gehen: Welche Musikarten eigenen sich für Musiktherapien – inwieweit kann elektronische Musik therapierend wirken? 

Naja wie bereits erklärt, ist es mit der Musik eine Frage der Lebensgeschichte, Erfahrungen, Sozialisierung, Kultur und Persönlichkeit. Demnach eignet sich wirklich jede Musik. Aber auch die Stille ist ein wichtiger und sogar herausfordernder Part. Meist ist die frei improvisierte, aus dem Affekt und aus dem Moment entstandene Musik die Heilsamste. So kann auch elektronische Musik von Bedeutung sein. Besonders im Kinder- und Jugendbereich ist es sinnvoll die Patienten in ihrer Welt abzuholen. Das heißt oftmals über neue Medien und elektronische Musikinstrumente einen Zugang zu ihrer Welt zu bekommen. DJ- und Musik-Programme, Aufnahmegräte, Youtube-Videos, Synthesizer, E-Drums und Stimmeffektgeräte sind meist die Ice-Breaker, um eine Beziehung anzubahnen. 

Wann würden Sie dazu raten, eine Musiktherapie zu machen?

Eine Musiktherapie ist für jeden zielführend, den ein bestimmtes Thema belastet und der etwas daran ändern will. Gründe eine Musiktherapie für sich zu nutzen sind vor allem psychische oder emotionale Belastungen, wie zum Beispiel, Lebenssinnkrisen, Depression oder Gereiztheit, Minderwertigkeitskomplexe, Persönlichkeitsstörungen, soziale Schwierigkeiten, psychiatrische Erkrankungen, aber auch körperliche oder neuronale Beschwerden.

Warum ist diese Therapieform so besonders?

Noch bevor unser Verstand reagieren kann, reagiert das Vegetativum und damit auch das emotionale und körperliche System auf Musik. Wir können uns der Wirkung von Musik nicht entziehen. Das ausgelöste Erleben beim Musikhören und Musikmachen dockt leicht an vorsprachliche Erfahrungen an, eben, in einer Zeit, in der wir noch nicht der Sprache mächtig waren und hauptsächlich unser Körper dazu diente uns mitzuteilen. Musik ist individuell und sehr situationsabhängig. Die Stärke der Musiktherapie liegt darin, dass Musik einem therapeutischen Setting als hervorragendes Medium dient. Musik verbindet und berührt Menschen ohne, dass man sich „zu nahe kommen“ muss. Musik gilt als Brücke zur physischen Berührung, als Sprachrohr ohne Worte. Musik ist unmittelbar und emotional. Da, wo Sprache nicht mehr ausreicht oder zu viel ist, kommt Musik in's Spiel. Da, wo emotional schwierige Zustände Halt brauchen, kann Musik Containment bieten, da, wo physische Berührung zu intensiv wäre und wo der Fokus auf emotionale Berührung gelegt werden will, fängt Musik auf. 

Musiktherapie

Zuletzt: Haben Sie einen Tipp, wie man im Alltag Musik einsetzen kann, um ein paar Minuten zu entspannen?

Wenn man sich im Alltag mit Musik etwas Gutes tun will, ist es förderlich sich über ihre Wirkungen Klarheit zu verschaffen. Ein Tipp: Ich empfehle, dass man sich ganz bewusst in einem achtsamen Rahmen dem Hören, oder Machen von Musik widmet. Die Wirkung dabei verstärkt sich, wenn man sich sicher und vertraut fühlt und wenn man sich Zeit dafür nimmt, zu erleben, was in einem passiert. Es ist nicht gut zu viel Musik zu hören, denn jeder übermäßige Konsum schwächt die Wirkung ab. Übrigens ist es auch ratsam zu singen, wenn man Lust dazu hat, denn das kann viel Positives mit einem machen und auch die Laune heben – Selbstausdruck macht einfach glücklich und präsent. 

Vielen Dank für das interessante Gespräch! 

Wenn ihr noch mehr über die Arbeit vom Robert Duda wissen möchtet, schaut auf seinen Websites vorbei: http://www.körpermusiktherapie.athttp://musikalische-assistenz.athttp://relups.com

Fotocredit: Unsplash

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Robert Relups Duda ist Musiker, Produzent, Körper-, Trance- und Musiktherapeut in Wien. Schon früh hat er seine Leidenschaft – die Musik – im Wissen um ihre Wirkung, in soziale Kontexte gesetzt. Im Rahmen der musikalischen Assistenz, produziert und musiziert er mit geistig beeinträchtigen Menschen, um ihre eigenen Songs zu entwickeln und zu veröffentlichen. Abseits gibt er noch Trance-Workshops und Musiktherapiestunden – als Musiker ist er übrigens auch noch in und um Wien unterwegs.

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31.01.19 07:22