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20 Jahre Spotify: Warum elektronische Musik in den All-Time-Charts kaum auftaucht

20 Jahre Spotify: Warum elektronische Musik in den All-Time-Charts kaum auftaucht

Spotify blickt auf zwei Jahrzehnte Streaming zurück und zeigt, welche Künstler, Songs und Alben die Plattform bis heute geprägt haben. An der Spitze stehen Taylor Swift, Bad Bunny und The Weeknd, während elektronische Musik nur punktuell vertreten ist.

Taylor Swift führt die All-Time-Liste an

Spotify hat zum 20-jährigen Bestehen mehrere All-Time-Rankings veröffentlicht. Die Listen zeigen, welche Künstler, Songs, Alben, Podcasts und Hörbücher seit dem Start der Plattform die meisten Streams gesammelt haben. Dabei wird besonders deutlich, wie stark Pop, Rap und Latin Music das Streaming-Zeitalter geprägt haben.

Bei den meistgestreamten Künstlern aller Zeiten führt Taylor Swift die Liste an. Dahinter folgen Bad Bunny, Drake, The Weeknd und Ariana Grande. Auch Ed Sheeran, Justin Bieber, Billie Eilish, Eminem und Kanye West stehen in den Top 10. Es ist ein Ranking, das weniger von kurzfristigen Hypes als von dauerhafter Präsenz erzählt: Wer über Jahre hinweg regelmäßig veröffentlicht, globale Fanbases aktiviert und in Playlists präsent ist, baut auf Spotify einen Vorsprung auf, der kaum noch einzuholen ist.

Auch bei den Alben setzt sich dieses Bild fort. An der Spitze steht „Un Verano Sin Ti“ von Bad Bunny, gefolgt von „Starboy“ von The Weeknd und „÷ (Deluxe)“ von Ed Sheeran. Auf den weiteren Plätzen sind unter anderem „SOUR“ von Olivia Rodrigo, „After Hours“ von The Weeknd, „SOS“ von SZA, „Hollywood’s Bleeding“ von Post Malone und „Lover“ von Taylor Swift zu finden.

„Blinding Lights“ bleibt der größte Spotify-Song

Bei den Songs steht „Blinding Lights“ von The Weeknd ganz oben. Der Track ist längst mehr als ein Streaming-Hit. Er gehört zu den Songs, die den Sound der frühen 2020er Jahre weltweit geprägt haben. Bis heute läuft er in Playlists, Radios und Social-Media-Clips. Auf den Plätzen dahinter folgen „Shape of You“ von Ed Sheeran, „Sweater Weather“ von The Neighbourhood und „Starboy“ von The Weeknd und Daft Punk. Aus elektronischer Sicht wird es hier interessant. Mit „Starboy” tauchen Daft Punk in den Top 20 auf. Hinzu kommt „Closer” von The Chainsmokers und Halsey, das einen der wenigen klaren Dance-Crossover-Momente in der Liste darstellt. Mehr elektronische Musik findet sich in den Top 20 der Songs nicht.Das Ganze zeigt nicht nur, wer auf Spotify riesig ist. Es zeigt auch, wie anders elektronische Musik funktioniert.

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Elektronische Musik findet nicht nur im Stream statt

Auf den ersten Blick wirkt es überraschend, dass Acts wie David Guetta, Calvin Harris oder Avicii nicht in der absoluten Artist-Spitze auftauchen. Schließlich haben genau diese Künstler die globale Dance-Kultur der vergangenen 15 Jahre maßgeblich mitgeprägt. Sie waren allgegenwärtig: auf Festivals, in Clubs, im Radio und in der Popmusik.

Spotify erzählt jedoch eine andere Geschichte. Die Plattform belohnt permanente Verfügbarkeit, Wiederholbarkeit, Playlist-Kompatibilität und globale Alltagstauglichkeit. Elektronische Musik folgt oft anderen Regeln: Viele Tracks sind länger, weniger hook-getrieben und nicht für den einzelnen Klick, sondern für den Moment im Set konzipiert. Genau darin liegt der Unterschied. Elektronische Musik lebt von Übergängen, vom Aufbau, vom Drop, vom Raum und vom Kollektiv. Ein Track kann im Club alles abreißen und trotzdem nie in einer All-Time-Statistik neben Taylor Swift oder Bad Bunny landen.

Das ist jedoch keine Niederlage für die Szene. Es zeigt lediglich, dass Reichweite und Wirkung nicht dasselbe sind.

Podcasts zeigen auch deutsche Stärke

Neben Musik hat Spotify auch die meistgestreamten Podcasts aller Zeiten veröffentlicht. An der Spitze der Liste steht „The Joe Rogan Experience”. Auf Platz zwei folgt mit „Gemischtes Hack” direkt dahinter ein deutsches Format. Auch „Fest & Flauschig”, „Mordlust”, „Baywatch Berlin” und „Hobbylos” tauchen in den Top 20 auf.

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Gerade dieser Teil des Rankings zeigt, dass Spotify schon lange nicht mehr nur als Musikplattform wahrgenommen werden kann. Podcasts, Hörbücher und kuratierte Audioformate sind Teil derselben Nutzungslogik geworden. Wer heute Spotify öffnet, hört nicht automatisch Musik, sondern Audio in allen Formen.

20 Jahre Streaming haben die Machtverhältnisse verschoben

Die All-Time-Rankings zeigen vor allem eines: Streaming hat Musik zwar messbarer, aber nicht automatisch vollständiger gemacht. Zahlen können zwar abbilden, was oft gehört wurde. Sie können jedoch nicht erklären, welche Emotionen ein Song in einem Club, auf einem Festival oder in einem bestimmten Moment auslöst.

Für die elektronische Musik ist das fast schon tröstlich. Sie muss in diesen Listen nicht dominieren, um relevant zu sein. Ihre Geschichte wird nicht nur in Streams, sondern auch in Nächten, Sets und Momenten geschrieben, die sich nicht zählen lassen.

Spotify zeigt, wer weltweit am häufigsten läuft. Die Dancefloor-Kultur zeigt hingegen, was bleibt.

Fotocredit: Pew Nguyen

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